Hamburg

Drei Jazzer auf einer Wellenlänge

Das Tingvall Trio gab im Großen Saal der Elbphilharmonie ein Konzert

Hamburg. Den Fuß nach rechts ­gesetzt und etwas wippen, nach links, wieder nach rechts und so fort. Martin Tingvall zeigt den Zuschauern in der Elbphilharmonie, wie ein Jazz-Tanz normalerweise aussieht. Seine drollige Darbietung nutzt der Pianist, um den nächsten Song anzusagen. "Mustasch" heißt er und ist die "Tanznummer" im Repertoire von Tingvalls Trio. "Bei einem unserer Konzerte hat mal ein Zuhörer ganz wild danach getanzt und sich dann beim Veranstalter beschwert, dass alle anderen nicht mitgemacht haben", ­erzählt Tingvall. Nach der furiosen Nummer wird klar, warum niemand dazu tanzen konnte. Die Kompositionen des Trios sind rhythmisch so komplex und dynamisch so vertrackt, dass dazu nur wilde Zuckungen möglich sind. Mit seinen amüsanten Erklärungen zu jedem Stück lockert der Bandleader das Konzert im Großen Saal der Elbphilharmonie auf, doch die Begeisterung ist auch ohne diese persönliche Ansprache enorm hoch.

Das Trio, zu dem außer Tingvall der kubanische Bassist Omar Rodriguez Calvo und der Schlagzeuger Jürgen Spiegel gehören, spielt ein furioses Konzert und hat vor allem Kompositionen aus dem aktuellen Album "Cirklar" im Programm. Sie wechseln zwischen Hochgeschwindigkeitsjazz und lyrischen ­Momenten, zwischen experimentellen Sequenzen und volksliedhaften Melodien. Die drei Musiker setzen eine enorme Energie frei, die sich auf das Publikum im ausverkauften Saal überträgt. Nach vielen Nummern jubeln die Zuhörer begeistert auf, jedes Solo wird beklatscht, konzentriert und gespannt verfolgen sie die musikalische Achterbahnfahrt der drei Akteure auf der Bühne.

Für das Tingvall Trio ist dieses Konzert ein besonderer Auftritt, denn vor einem Jahr fungierten sie in der noch nicht eröffneten Elbphilharmonie als Versuchskaninchen für die Akustik-Experten im Saal. Nun dürfen sie ihre Kunst bei einem regulären Konzert zeigen, und sie nutzen diese Gunst mit Bravour. Die fulminante Vorstellung dieses perfekt aufeinander abgestimmten ­Ensembles gehört zum Besten, was bisher in Sachen Jazz in der Elbphilharmonie gelaufen ist.

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