Kultur

Robert Harris und der 2. Weltkrieg

Für den britischen Autor ist das Thema „unerschöpflich faszinierend“

Nach „Vaterland“ (1992) und „Enigma“ (1995) ist der britische Schriftsteller Robert Harris (60) mit „München“ wieder bei seinem Lieblingsthema, dem Kampf gegen die Nazis.

Bei „Vaterland“ haben Sie die Geschichte radikal umgeschrieben, in „München“ nicht, Sie blieben beim Bekannten. Warum?

Robert Harris:Ich wollte das Drama des Treffens von Hitler und Chamberlain vermitteln, und ich wollte zeigen, dass die tatsächlichen Ereignisse sich radikal von dem unterschieden, was die meisten wissen – dass es Hitler war, der sich betrogen fühlte und Chamberlain triumphierend auftrat. Das verlangte danach, sich an die wahre Geschichte zu halten.

Ist Chamberlain mit seiner Appeasement-Politik gescheitert, wie man es ihm seitdem oft vorwarf – oder ein tragischer Held?

Die Idee des Appeasements war es, den Krieg zu verhindern, also: Ja, sie ist gescheitert. Aber es war für die Briten viel besser, ein Jahr später in den Krieg zu ziehen, als das Land geeint war und die Streitkräfte stärker waren. Ich glaube, dass Chamberlain dafür seine Reputation opferte, und es ist eine Tragödie, dass seine Leistungen nach wie vor nicht gewürdigt werden.

Was brachte Sie auf die Idee? Die Biografie von Adam von Trott zu Solz?

Zunächst dachte ich an meine englische Romanfigur Hugh Legat – ein junger Mann, der für Chamberlain arbeitet, dessen Frau nicht treu ist und der in seinem Privatleben vor dem gleichen Dilemma steht wie der Premierminister mit Hitler: Wann leistet man Widerstand? Aber ebenso wollte ich Hitler durch die Augen von jemandem zeigen, der mit ihm nach München reiste. So kam ich auf den Diplomaten Paul Hartmann, der 1932 mit Legat in Oxford war. Adam von Trott war um diese Zeit herum ebenfalls dort, also schien es naheliegend, einen großen Teil seines Charakters und seiner Biografie zu verwenden.

Im Comedy-Klassiker „Fawlty Towers“ warnte John Cleese: „Don’t mention the war!“ Sind Sie nun durch mit dieser Ära?

Überhaupt nicht! Der Zweite Weltkrieg war das entscheidende Ereignis unserer Epoche. Nach wie vor leben wir in seinem Schatten, er enthüllt so viel über Politik und die menschliche Natur. Für mich ist dieses Thema unerschöpflich faszinierend, und es kann sehr gut sein, dass ich einen weiteren Roman schreiben werde, der in dieser Zeit spielt. (jomi)