Hamburg

Vor dem Abschied ein Abstecher

Zum vorletzten Mal ermittelt Hannelore Hoger als Bella Block im ZDF – diesmal in der Provinz

Hamburg. Früher war alles einfacher, seufzt die ehemalige Polizei-Ermittlerin Bella Block. Da musste sie nur ihren Ausweis vorzeigen, und schon konnte sie nach Herzenslust Leute befragen oder Verdächtige verhören. Jetzt ist der Ausweis weg, jetzt müssen ihr immer wieder neue Tricks einfallen, um an Informationen zu kommen.

Denn ihr Gespür für die Wahrheit hinter der Fassade ist immer noch gefragt, selbst in so einem abgelegenen brandenburgischen Ort wie Grahlsee. Hierhin hat es Bella Block (Hannelore Hoger) nur deshalb verschlagen, weil sie eine Autopanne hat, deren Reparatur sich ein wenig hinzieht. Da fügt es sich, dass gerade der dänische Ehemann der Bürgermeisterin (Katja Weitzenböck) verstorben ist und dessen Zwillingsbruder Jens (Henrik Birch) diesen Tod doch gern untersucht haben möchte.

Ein Herzanfall im Bordell wirft Fragen auf

Zwei Jahre ist es immerhin schon her, seit der letzte „Bella Block“-Film im ZDF zu sehen war. Nun kommt mit „Stille Wasser“ der vorletzte Beitrag der Reihe. Unter der Regie von Jo Baier und mit dem Drehbuch von Beate Langmaak entfaltet sich hier noch einmal all das, was die Reihe immer ausgezeichnet hat. Da ist die Unaufgeregtheit der Titelfigur, die auf dem Weg zur Erkenntnis selten laut wird. Und da ist die Menschlichkeit dieser Ermittlerin, der es nicht um den Erfolg geht, sondern um das Begreifen einer Tat, um das Verstehen eines Täters.

In „Stille Wasser“ gibt es anfangs eigentlich gar keinen Fall. Da dämmert ein Ort träge vor sich hin, dem die Bürgermeisterin durch die Anlage eines Golfplatzes zumindest ein wenig Attraktivität verleihen möchte. Das Bordell Cheri im Gewerbegebiet soll dafür weichen, sicher nicht nur des Ansehens wegen, sondern wohl auch, weil der herzkranke Ehemann der Ortsvorsteherin dort Stammgast ist und sich dabei in die Puffmutter Lilo (Lina Wendel) verliebt hat. In diesem Etablissement hat der Mann mit all seinen Plänen für die Zukunft dann plötzlich einen schweren Herzanfall.

Regisseur Jo Baier versetzt den Zuschauer mit dem Film an einen Ort, wo der Gasthof noch den Mief der alten DDR verströmt und wo die älteren Bürger im Kirchenchor singen. Und es gibt eine Bella Block, die allmählich die Schönheit der Langsamkeit entdeckt. Von Jens, der ihr auch das Auto repariert, lässt sie sich sogar zum Angeln verleiten. „Stille Wasser“ kann mit bösen Menschen eigentlich nicht dienen. Dass am Ende einer von ihnen nicht mehr lebt, scheint denn auch eher die Folge einer Kurzschlusshandlung.

Nach zwei Jahren Abstinenz tut es gut, endlich wieder Bella Block zu begegnen. Selbst in einem vergessenen Ort in Brandenburg sieht sie ihre Fähigkeiten als Ermittlerin a. D. gefragt.

„Stille Wasser“, Sa, ZDF, 20.15 Uhr