Kultur

Robert Plant: Früh vollendet, spät gereift

Der Ex-Led-Zeppelin-Sänger veröffentlicht mit „Carry Fire“ ein gelungenes neues Album

Er singe besser denn je, hat Robert Plant kürzlich gesagt, und vielleicht stimmt das sogar. Der Musiker, den man aufgrund seines Alters – Plant ist fast 70 – und seiner Rolle in der Geschichte der Rockmusik – Led Zeppelin! – einen Altmeister nennen darf, ist eine der Gründungsfiguren jenes Rock. Und nach dem plötzlichen Ende von Led Zeppelin im Jahr 1980 in mancherlei Hinsicht ein Frühvollendeter. Was sollte der von ­vielen als bester Rocksänger aller Zeiten betrachtete Plant denn danach noch ­erreichen?

Nun, er hat einfach weiter Platten gemacht und sich mit anderen Musikern zusammengetan, in den 90ern ­etwa noch einmal mit Jimmy Page, dem Chefgitarristen Led Zeppelins. Nicht alle Arbeiten Plants waren essenziell, aber keine legte man verächtlich beiseite. Und nun, wo er in höchsten Ehren ­ergraut ist und es ja auch darum geht, im Rock würdevoll dem Alter zu huldigen oder sich dieses Alters zumindest von Zeit zu Zeit zu erinnern, schafft der ­gebürtige Brite Plant, der nach langen Jahren in Amerika wieder in der europäischen Heimat lebt, ein beachtliches Spätwerk.

Schon „Lullaby and ... The Ceaseless Roar“ war vor drei Jahren ein extrem stimmiges ­Album. Das jetzt erschienene „Carry ­Fire“, das Plant wie schon den Vorgänger mit den Sensational Space Shifters eingespielt hat, einer aus wesentlich jüngeren Musikern bestehenden, äußerst versierten Begleitband, ist noch besser.

Schwere Gitarrenakkorde, orientalische Einflüsse

Die Arrangements sind spielfreudig und erdig, sie werden angetrieben von Plants Vocals; manchmal denkt man an den altmodischen, aber nie ranzigen Bluesrock von Led Zeppelin. Es gibt schwere Gitarrenakkorde wie bei „New World“ zu hören, aber auch orientalische Einflüsse wie beim Titelsong „Carry Fire“, auf dem Plant seiner Stimme die maximale Menge an Lockstoffen beimengt: „I’m reaching out to you/Across the broken days ...“.

Die Band rockt mit fiesen Bass-Linien („Bluebirds Over The Mountain“) und Selbstbewusstsein. Hey, da vorne steht Robert Plant! Der ist jetzt unser Frontmann! Was einen auch einschüchtern könnte, entfesselt erst recht den Blues bei den jungen Männern.

„The King of Cock Rock“ nannten sie Robert Plant einst, den Mann mit der Mähne, der so voluminös singen kann. Wer ihn nun auf „Carry Fire“ hört, jenem reifen Alterswerk, der darf davon ausgehen, dass Robert Plant, das Vorbild von Generationen von Rocksängern, seine für demnächst anberaumte Tournee durch Großbritannien und Nordamerika voller Energie hinter sich bringen wird. Alte Helden, die nicht nachlassen: Sie sind Mutmacher, das auch.