Kultur

Fällt vor Lachen fast aus dem Bett

Auf meinem Nachtisch liegen gerade zwei Romane, die beide ein fürchterlich düsteres Gesellschaftspanorama zeichnen – und dabei so komisch sind, dass ich vor Lachen fast aus dem Bett falle. Virginie Despentes schmeißt ihren ab­gehalfterten Titel-„Helden“ Vernon Subutex, Kind des Rocks und Punks der 80er-Jahre, gleich zu Beginn des Buches aus seiner Pariser Wohnung. Unter falschem Vorwand quartiert er sich bei Weggefährten besserer Tage ein. Es beginnt ein schonungsloser Erinnerungs- und Roadtrip durch die Milieus und Abgründe unserer Zeit. Dieser Text ist so vollgepumpt mit aberwitzigen Beschreibungen unserer Existenz, wie seine Figuren sich mit Drogen, miesen Erinnerungen und haarsträubenden Ideen irgendwie versuchen über Wasser zu halten.

Im zweiten Roman erzählt Franzobel die Geschichte eines der schlimmsten Schiffsunglücke der Neuzeit. Kurz nach der Restauration segelt seine „Medusa“, bevölkert mit einem grotesken Querschnitt durch die französische Gesellschaft, gen Westafrika, um in den Kolonien das große Glück zu suchen. Und natürlich, um den „Wilden“ dort zu zeigen, was europäische Kultur und Zivilisation sind. Es ist kaum auszuhalten: Obwohl es gefühlt 100 Möglichkeiten gäbe, das Unglück zu verhindern, kommt dieses „Flaggschiff der Zivilisation“ durch Hybris und Dilettantismus immer weiter vom Kurs ab und läuft sehenden Auges auf Grund. Es gibt zu wenige Rettungsboote, natürlich! 147 Menschen werden kurzerhand auf dem behelfsmäßig zusammengezimmerten „Floß der Medusa“ zurückgelassen. Binnen kürzester Zeit regieren Barbarei, Mord und Kannibalismus, bis nur mehr 15 von ihnen übrig bleiben.

Zwei Romane, zwei Epochen, 200 Jahren voneinander getrennt – doch am Wahnsinn des menschlichen Handelns hat sich nichts verändert.