Hamburg

Neue Episoden zum „Ruhm“ im Theater im Zimmer

Das Stück nach Daniel Kehlmanns Roman feierte in Erik Schäfflers Regie eine gelungene deutsche Erstaufführung an der Alsterchaussee

Hamburg.  Es sind auch philosophische Fragen, die hinter Daniel Kehlmanns „Ruhm“ stecken. Den Episodenroman des Bestsellerautors („Die Vermessung der Welt“) als Theaterstück herauszubringen, ist leichter gesagt als getan. Mit der deutschen Erstaufführung hat das Theater im Zimmer jetzt viel gewagt – und recht viel gewonnen.

Ein Verdienst vor allem von Regisseur Erik Schäffler, der mit Dramaturgin Sonja Valentin die Bühnenfassung für die erste Eigenproduktion des Theaters seit 2002 erstellt hat. Die neun Episoden haben sie zu sieben verdichtet – auch das recht verschachtelt. Ins Stück packen die fünf Schauspieler viel, am Ende in den Saal sogar eine Windmaschine. Ein skurriles Gesamtwerk.

Angefangen bei Tommaso Cacciapuoti, der sich als Computertechniker Ebling zunächst fragt: „Wer ist dieser Ralf?“, dann aber recht schnell die Identität des Filmstars Ralf Tanner annimmt, dessen Nummer er versehentlich erhalten hat. Der Schauspieler selbst verleugnet sich und mimt später in Shows eine Imitation seiner selbst.

Robin Brosch spielt den Autor Leo Richter als larmoyanten Kotzbrocken, der auf seinen Auslands-Lesereisen hofiert und selbst Teil seiner Geschichten wird. Kein Wunder, dass sich seine neue Begleiterin Elisabeth, von Mignon Remé als toughe „Arztin ohne Grenzen“ verkörpert, sorgt, „dass ich irgendwann vor einer verqueren Kopie meiner selbst stehe“. Die Sterbehilfe-Story mit Richters Romanfigur Rosalie (Tina Eberhardt) gerät etwas zu lang. Womöglich ist es für Zuschauer die bessere Wahl, parallel in den Keller zu gehen und jener Episode von Schriftstellerin Maria Rubinstein (Remé) zu folgen, die spurlos in „Moldakistan“ verschwindet.

Im Saal nutzen die Akteure eine kleine Hauptbühne sowie zwei Podeste. Da ginge bühnentechnisch noch mehr. Indes bewährt sich die Anordnung, wenn Schäffler als Abteilungsleiter des Telekommunikations-Unternehmens und Fremdgeher buchstäblich zwischen zwei Frauen steht und als Verursacher des Nummernchaos entlarvt wird. Da macht Kehlmann richtig Spaß.

„Ruhm“bis 18.11., jew. 20.00 (So 19.00), Theater im Zimmer (Bus 15, 109), Alsterchaussee 30, Karten zu 18,- (erm.) bis 28,- unter
T. 44 88 44; www.theater-im-zimmer.de