Hamburg

Kehlmanns „Ruhm“ im Theater im Zimmer

Regisseur Erik Schäffler und Ensemble feiern mit dem Roman des Bestsellerautors deutsche Erstaufführung

Hamburg.  Die Wege zum Ruhm sind beschwerlich, oft unergründlich. Dazu muss man gar nicht den von Regisseur Stanley Kubrick vor 60 Jahren verfilmten gleichnamigen Roman des ­Autors Humphrey Cobb heranziehen. Ruhm ist immer auch Teil des Theaterbetriebs. Erik Schäffler weiß das.

Seit Februar beschäftigt er sich mit „Ruhm“. Jenem Episodenroman von Daniel Kehlmann, der 2012 trotz namhafter Besetzung (Senta Berger, Stefan Kurt, Heino Ferch, Julia Koschitz) nur mit leidlichen Erfolg als Film in den Kinos lief. Davon ließ sich Schäffler, in der Hansestadt bekannt als Schauspieler und Regisseur beim jungen Open-Air-Klassiker „Der Hamburger Jedermann“, ebenso wenig abschrecken wie davon, dass es schon eine deutschsprachige Bühnenfassung aus Österreich gab.

Und so feiert „Ruhm“ in Schäfflers Version am Donnerstag deutsche Erstaufführung – für das traditionsreiche Theater im Zimmer die erste Eigenproduktion unter Jung-Intendantin Martha Kunicki. Zuvor war die weiße denkmalgeschützte Villa in Harvestehude bis Ende der 90er-Jahre regelmäßig Stätte zahlreicher Ur- und Erstaufführungen zeitgenössischer Stücke gewesen.

Wie aber kam der Wahlhamburger Schäffler an den Stoff des Bestsellerautors Daniel Kehlmann („Die Vermessung der Welt“)? Seine Inszenierung „Angerichtet“ für das Lübecker Theater Combinale nach dem Roman des Niederländers Herman Koch habe offenbar Anklang gefunden, sagt der passionierte Theatermann nicht ohne Stolz. Sie war zu den Privattheatertagen 2015 in Hamburg eingeladen. Auch deshalb erhielt Schäffler vom wiederum zuständigen Rowohlt Theater Verlag auch die Aufführungsrechte für den „Ruhm“-Roman.

„Daniel Kehlmann ist ein ungewöhnlicher Autor“, sagt Schäffler. „,Ruhm‘ ist mit seinen pointierten Dialogen und witzigen inneren Auseinandersetzungen wie für die Bühne geschrieben. Mir hat aber auch gefallen, dass es mehrere Monologe gibt, die deutlich machen, was die einzelnen ­Figuren bewegt.“ Dass Kehlmann mit Realitätsebenen spielt, macht für den Regisseur einen zusätzlichen Reiz des Stückes aus. Da mimt ein Schauspieler etwa einen Schauspieler, oder ein Autor wird selbst Teil seiner Geschichten.

Das zweite große Thema in „Ruhm“, 2009 als Roman erschienen, ist daher jenes der Identität im Zeitalter von E-Mails und Mobiltelefonen, Facebook und Instagram. Welche Identität haben wir, und wie schnell lässt sie sich heute verändern, fragte sich Schäffler in Zusammenarbeit mit Dramaturgin Sonja Valentin. Alle Hauptfiguren verlieren oder vertauschen im Laufe der Zeit ihre Persönlichkeit. Statt neun wie im ­Roman sind es in ihrer Bühnenfassung nur noch sieben Figuren. Für dieses Spiel zwischen Schein und Sein sollen die Akteure den ganzen Saal nutzen.

„Ich sehe diese neue alte Spielstätte auch als Angebot, neue Theaterformen auszuprobieren“, sagt Schäffler. Und ergänzt: „Hätte ich dieses Ensemble nicht, hätte ich den Schritt nicht gewagt.“ Er selbst ist Teil der fünfköpfigen Gruppe, aber eher in Nebenrollen. Und statt nur auf 20.000 Euro Projektmittelförderung zu setzen, die Intendantin Kunicki von der Kulturbehörde bewilligt bekommen hat, hat Schäffler mit dafür gesorgt, dass sich das Budget dank der Hamburgischen Kulturstiftung, der Zeit-Stiftung, des Ida Ehre Kulturvereins und der IPT Immobilien-Investoren-Beratung verdoppelt hat. Was man eben für ein bisschen „Ruhm“ nicht alles macht.

„Ruhm“ Premiere Do 26.10., 20.00, bis 18.11., Theater im Zimmer (Bus 15, 109), Alsterchaussee 30, Karten zu 18,- (erm.) bis 28,- unter
T. 44 88 44; www.theater-im-zimmer.de