Kultur

Ankunftshalle

"Es war einer dieser Zyankali-Tage/ An denen wir uns mal wieder umbringen wollten." Ein Vers wie ein Faustschlag. Wenn ein Song, ja ein ganzes Album mit solchen Worten beginnt, ist klar: Hier wird nicht wohlfühlend ge­kleckert, hier wird existenziell geklotzt. Sehr gut. Schön hoch ist die Fallhöhe: Die den Glauben an die Menschheit verloren haben, die in eben diesen Zyankali-Tagen hängen, setzen sich – zur seelischen Rettung – in die Ankunftshalle am Flughafen und beobachten jene, die sich vermissten und umarmen. Mit derlei Bildern beginnt auch die romantische Komödie "Love Actually". Doch das macht ganz und gar nichts. Denn das urmenschliche Grundgefühl stimmt, ob nun von Hugh Grant oder von Marcus Wiebusch erzählt: Der Mensch ist ein Verbindungstier. Er hasst viel, aber liebt noch mehr. Und vor dem geistigen Auge sehen wir auch jene, die nicht aus dem Urlaub oder von einer Geschäftsreise heimkehren, sondern vor einem Krieg fliehen, zu ihrer Familie nachziehen. Eine Hoffnung.

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