Hamburg

Schätze aus dem British Museum in Hamburg zu sehen

90 Meisterzeichnungen von Claude Lorrain in der Kunsthalle

Hamburg. Als größten Landschaftskünstler des 17. Jahrhunderts stellt die Hamburger Kunsthalle Claude Lorrain (etwa 1600 bis 1682) an den Anfang des „Jahres der Landschaft“ 2018, das Direktor Christoph Martin Vogtherr auf der Pressekonferenz am Mittwoch für sein Museum ankündigte. Wahrlich schwelgen lässt sich in 90 Feder- und Pinselzeichnungen Lorrains, in denen der Künstler seine Meisterschaft entfaltet hat. Dass das British Museum diese Juwelen der oft malerischen Zeichenkunst überhaupt nach Hamburg ausgeliehen hat, bedurfte mehrerer Jahre Vorbereitungszeit der beiden Kuratoren Andreas Stolzenburg und David Klemm. Vieles, was die Kunstgeschichte in spätere Jahrhunderte einordnet, hat Lorrain, der fast sein ganzes Leben in Italien verbrachte, in Anklängen vorweggenommen. Sei es die Freiluftmalerei, der lichtvolle Impressionismus oder die freizügige Zusammenfassung landschaftlicher Details in einer großen Geste.

Die Basis seiner meist in weichem Braun getönten Landschaften war stets eine intensive Naturbeobachtung, die damals noch nicht üblich war: Mit dem Zeichenblock zog Lorrain los, setzte sich in den Garten der Villa Doria Pamphili oder in die Berge von Tivoli und zeichnete die sanft hügelige Landschaft um Rom, durch die sich der Tiber oder der Aniene im hellen Bett wand. Vieles von dem, was er auf diese Weise festhielt, ist jetzt im Hubertus-Wald-Forum zu bewundern.

Rund 30 herrliche Baumzeichnungen zeigen, dass er die Details beherrschte, aber oft lieber wegließ zugunsten einer vom Wind bewegten, lichtflirrenden Lebendigkeit und eines Spiels mit Sonne und Schatten. Strukturiert oder eingefasst sind seine Baum-Bilder oft von den knorrig-kräftigen oder elegant gestreckten Stämmen von Eichen, Mimosen und Platanen. Manche Bäume erhob er, der das Gegenlicht so liebte, zu geheimnisvollen, aus dem Schatten in eine Lichtung ragenden Hauptdarstellern, etwa einen lebenden und einen umgestürzten toten Baum.

Die Bilder und auch die Zeichnungen des Claude Lorrain wurden schon zu seinen Lebzeiten als exzellent erkannt. Die Päpste, der spanische König oder Ludwig XIV. waren seine Kunden. Doch Lorrain konnte mehr, er war zudem ein überragender Maler. Weil er so oft kopiert wurde, begann er, jedes Gemälde, bevor er es verkaufte, zu zeichnen und im „Buch der Wahrheit“ abzuheften. Aus dieser einzigartigen Sammlung gekonnt und frei komponierter Ideallandschaften, angereichert mit pastoralen, mythologischen oder biblischen Szenen, hat die Ausstellung ebenfalls ein Füllhorn zu bieten.

„Das Licht der Campagna“, Zeichnungen von Claude Lorrain aus dem British Museum Hamburger Kunsthalle, Glockengießerwall 5, Di–So 10.00–18.00, Do bis 21.00, Eintritt 14,-/8,-. Ausstellung vom 13.10. bis zum 14.1.2018