Hamburg

Magdalena Kozená kann’s auch spanisch

Die tschechische Star-Mezzosopranistin gastierte in der Elbphilharmonie

Hamburg. Sommersprossige Frauen in indischen Saris, solche Anverwandlungen wirken oft peinlich. Aber wenn jemand überzeugend eine ihr fremde kulturelle Identität überstreifen kann, dann ist das die tschechische Mezzoso­pranistin Magdalena Kozená. Den Großen Saal der Elbphilharmonie hat sie, von Haus aus ein großer, sportlicher, fast knabenhafter Typ, einen Abend lang im Flamencokleid unter Spannung gesetzt.

Was Kozená macht, das macht sie ganz. Dieser Ernst, dieser Respekt auch vor einem Repertoire, dem sie sich erst nähern musste, machten ihr Musizieren so glaubwürdig. Für das Programm „Amor: Entre el ciel y el infierno“ (zu Deutsch „Die Liebe: zwischen Himmel und Hölle) kreuzte Kozená spanische Barockmusik mit Flamenco. Freilich ­ohne sich etwas anzumaßen, was sie nicht gelernt hatte: Kozená und das Ensemble Private Musicke musizierten Arien aus dem goldenen 17. Jahrhundert, oft in einem heiteren, mit Percussion und Harfe fröhlich rhythmisierten Duktus. Bei dem Barockgitarristen und Leiter des Ensembles, Pierre Pitzl, würden die Stücke fast zu Pop, hatte die Sängerin zuvor zu Protokoll gegeben. Wer sagt denn, dass Alte Musik immer tiefgründig sein muss?

Für die dramaturgische Fallhöhe sorgten so ergreifende Momente wie „Aquella Sierra Nevada“ von José Marín, in dem Kozená den spanischen Gebirgszug als Metapher für das Leiden an der Liebe durch die Jahreszeiten besang, mit aller Farbigkeit und Intensität, die ihr Musizieren so unverwechselbar machen.

Die Flamenco-Bühne überließ Kozená dem Tänzer Antonio El Pipa, Star seines Fachs und Abkömmling einer andalusischen Flamenco-Familie, und seiner Compañía de Flamenco. Drei Sängerinnen verschmolzen ihre kehligen Stimmen zu einer und klatschten virtuos versetzt, begleitet von zwei hochvirtuosen Gitarristen – mehr brauchte es gar nicht, um die Atmosphäre eines sevillanischen „Café cantante“ zu erzeugen. El Pipa vibrierte förmlich vor Ausdruck, noch die feinsten Handbewegungen dieser kunstvoll abgezirkelten und zugleich erotisch aufgeladenen Körpersprache transportierte er bis in die oberste Reihe des Saals. Keine Sekunde ließ er das Pu­blikum vom Haken.

Ein klug verschränkter Abend ohne jede Anbiederung. Viel Beifall.

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