Hamburg

Helmut Lotti: Lachverbot fürs Publikum

Der belgische Sänger feierte in der Laeiszhalle ein Comeback mit Hindernissen

Hamburg. Sieben Jahre lang war er abgetaucht, hat keine Bühne betreten und kein neues Album aufgenommen. Nun ist Helmut Lotti wieder da. Schmal, ohne das früher schützende Toupet und ziemlich nervös steht er auf der Bühne der Laeiszhalle. Die erste Ansage muss gleich wiederholt werden und auch noch mal auf Dänisch über die Rampe – ein skandinavisches Filmteam schneidet mit. Es bleibt nicht die einzige Wiederholung, die den Abend auf fast drei Stunden ausdehnen wird und zu manch unfreiwilliger Komik führt.

Den Besuchern wird die Zeit dabei nicht lang. Lotti hat ein ordentlich aufspielendes Orchester im Rücken und ein ganzes Sammelsurium von Hits im Gepäck. Der Belgier, der in seiner flandrischen Heimat rekordverdächtige 13 Millionen Alben verkauft hat, reißt an diesem Abend 26 Songs ab. Klassiker sind dabei wie "You'll Never Walk Alone" und "Put A Little Love In Your Heart". Songs von Leonard Cohen und Simon & Garfunkel. Zu dem unvermeidlichen "My Boy" von Elvis Presley erzählt Lotti die altbekannte Geschichte, wie er damit als Neunjähriger den zweiten Platz einer TV-Talentshow belegte und seinen ersten Plattenvertrag ergatterte.

Er kann dabei noch so den Pop-Crooner geben, expressiv mit den Hüften kreisen, die Hand gen Publikum ausstrecken und einen warmen Versteherblick aufsetzen, im Lichte der Kameras wirkt er weiterhin angespannt.

An der Stimme kann der Erfolg des Mannes übrigens nicht liegen, diesem eher blassen Tenor, der am besten in ­lateinamerikanischen Schlagern wie ­"Solamente Una Vez", einem Duett mit Semino Rossi, rüberkommt. Bei Queens Rockklassiker "Bohemian Rhapsody" stößt er dagegen ziemlich brutal an seine Grenzen. Einen Liedeinstieg setzt er zum dritten Mal an und wirft sich in ­dramatische Pose, sogar der Pianist ­verspielt sich, das Publikum erhält Lachverbot – und trägt es mit Fassung.

Mit "Out of Africa" hat Lotti versucht, sich die Folklore des schwarzen Kontinents anzueignen. Auch wenn das Authentische zwischen den weichen Lotti-Geigen verloren gegangen ist, ­"Pata Pata" erweist sich als Stimmungsaufheller. Die Violinistinnen wiegen ihre Oberkörper sanft im Rhythmus. Weit und breit stören keine Disharmonien. Es ist Musik wie ein wohliger Wattebausch, soft und heimelig. Als das hebräische Volkslied "Havah Nagilah" erklingt, springt der Saal auf und wippt in den Sitzreihen im Takt. "Lass uns glücklich sein", lautet die Übersetzung. Das ist das erklärte Ziel. Und es wurde an diesem Abend für die meisten erreicht.

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