Elbphilharmonie

Bewegende Saisoneröffnung des Ensemble Resonanz

Die Musiker des Ensemble Resonanz vor der Elbphilharmonie

Die Musiker des Ensemble Resonanz vor der Elbphilharmonie

Foto: Tobias Schult

Musiker verbanden Renaissance und Barock mit Musik des 20. und 21. Jahrhunderts zu einem atmosphärisch dichten Konzerterlebnis.

Hamburg.  Die Begegnung von Alt und Neu allein ergibt noch kein schlüssiges Programm. Es kommt darauf an, wie die Anknüpfungspunkte aufgespürt und inszeniert werden. Da setzt das Ensemble Resonanz immer wieder Maßstäbe – auch mit seiner Saisoneröffnung, die Stücke aus Renaissance und Barock mit Musik des 20. und 21. Jahrhunderts zu einem atmosphärisch dichten Konzerterlebnis verband.

Berückend schon die Idee, Purcells Fantasien für vier Gamben mit der ungewöhnlichen Besetzung von drei Bratschen und Cello auf moderne Instrumente zu übertragen. Mit dieser Klangmischung verströmten die jahr­hundertealten Werke im Kleinen Saal der Elbphilharmonie eine Wärme, die auch den heutigen Hörer nicht kaltlässt. Indem die Bratscherin Tabea Zimmermann – vertraute Resonanz-Gastsolistin – und ihre Mitstreicher die schmerzlichen Reibungen der Musik wie kleine Stiche ins Herz zuspitzten, entdeckten sie bei Purcell einen Mut zur Dissonanz, der vom Barock in die Zukunft weist.

Archaisch anmutende Akkordfolgen

Umgekehrt lauschten die Interpreten dem 2002 entstandenen Bratschenkonzert „Still“ von Thomas Larcher Momente der Rückschau ab. Etwa in archaisch anmutenden Akkordfolgen, in denen die Musik aus einer mystischen Vorzeit zu raunen scheint.

Im Schaffen von Britten – Schlüsselfigur des Programms – sind Einflüsse aus der alten Musik in seine eigene Sprache integriert. Das Stück „Lachrymae“ beruft sich auf ein Renaissancelied von Dowland, das meist nur in Motivsplittern anklingt. Zimmermann und das hoch konzentrierte Kammerorchester ergründeten die Abschiedsstimmung des Werks feinnervig – und trafen damit genau jenen Ton britischer Melancholie, den Sopranistin Robin Johannsen zuvor schon mit Purcells „O Let Me Weep“ angestimmt hatte.

Mit natürlicher Ausdruckskraft belebte die Sängerin Brittens „Les Illuminations“ als Schlusswort des Programms: ein Liedzyklus nach Rimbaud-Gedichten, dessen ebenso rätsel- wie bildhafte Sprache sich in Streichersounds von zeitlosem Zauber spiegelt. Flirrende Flageoletts treffen auf Fanfaren und Gitarrenimitationen; Fantasie und Realität, Vergangenheit und Gegenwart werden eins.