Hamburg

Bayerische Dorfdeppen mit krimineller Neigung

Die ARD-Komödie „Falsche Siebziger“ atmet den Geist der Eberhofer-Kultfilme

Hamburg. Es gibt Menschen, die aus nachvollziehbaren Gründen mit ihm nichts anfangen können. Andere lieben ihn – aus noch verständlicheren Gründen. Für diese Zuschauer ist der bayerische Provinzpolizist Franz Eberhofer (Sebastian Bezzel), der sich so grandios an „Winterkartoffel-Knödel“, „Dampfnudel-Blues“ oder „Schweinskopf al Dente“ abgearbeitet hat, einfach Kult.

Das muss man vorausschicken, denn in der Krimikomödie „Falsche Siebziger“ ist der Geist von Eberhofer allgegenwärtig. Die Vorlage könnte von Rita Falk stammen, doch diesmal nimmt Regisseur und Autor Matthias Kiefersauer die bajuwarischen Dorfdeppen mit ihren kleinkriminellen Neigungen aufs Korn. Es ist gewiss kein Zufall, dass einer der Dörfler, der verschuldete Hubertus Hochstetter, wieder von Sebastian Bezzel gespielt wird. Und Gerhard Wittmann, sonst der pingelige Eberhofer-Bruder, ist nun der unter der Fuchtel seiner Mutter stehende Chemiker Karl. Die vertrauten Klänge von E-Gitarre und Banjo sorgen schließlich für die unverwechselbare Grundstimmung.

Hubertus’ Vater, Karls Mutter und die Mama von Iris (Kathrin von Steinburg) sind fast gleichzeitig gestorben. Die klammen Hinterbliebenen schmieden einen Plan. Wenn sie ihre Angehörigen offiziell am Leben erhalten, fließt die Rente weiter. Um das Lügengebäude aufrecht zu erhalten, müssen „Doubles“ her. Nichts läuft nach Plan, es gibt weitere Leichen, plötzlich ist die Polizei da.

„Falsche Siebziger“ nährt den Verdacht, in Bayern habe sich eine neue Schule des alternativen Humors formiert, der lustvoll mit Traditionen und Klischees spielt – verquer, erfrischend lakonisch und grottentief schwarz. (wp)

„Falsche Siebziger“, Mi., 20.15 Uhr, Das Erste