Hamburg

Pianosommer ist, wenn Chopin auf Boogie-Woogie trifft

Piano-Vierer:
Axel Zwingenberger,
Martin Tingvall, Joja Wendt und Sebastian
Knauer (v. l.)

Foto: Funkemedia/Public Address

Piano-Vierer: Axel Zwingenberger, Martin Tingvall, Joja Wendt und Sebastian Knauer (v. l.)

In der Staatsoper beim Hamburger Pianosommer: Joja Wendt, Axel Zwingenberger, Martin Tingvall und Sebastian Knauer.

Hamburg.  Von einer dramatischen Chopin-Etüde zum fröhlichen Boogie-Woogie-Stampfer ist es ein weiter Weg. Normalerweise. Doch wenn beim Hamburger Pianosommer in der Staatsoper Joja Wendt, Axel Zwingenberger, Martin Tingvall und Sebastian Knauer aufeinandertreffen, ist nichts normal – und alles von großer Freude an der Musik, am Zusammenspiel durchdrungen. Da finden auch vermeintliche Antipoden in einem einzigen Stück zusammen. Enge Genregrenzen werden im Handumdrehen aufgelöst, die zweidreiviertel Konzertstunden (inklusive 20 Minuten Pause) fliegen nur so dahin, und um Ende gibt's Standing Ovations für ein wahrlich unterhaltsames Programm.

Wendt als Conférencier

Joja Wendt kommt zunächst die Rolle des Conférenciers zu, der mit lockeren Sprüchen für Stimmung sorgt. Fortan wechseln die Besetzungen an den zwei Steinway-Flügeln munter durch, mal wird im Duo, mal im Quartett gespielt, und mittendrin ist auch immer wieder Platz für ein paar Solonummern. Sebastian Knauer spielt Beethovens "Mondscheinsonate", und das Publikum hält den Atem an. Axel Zwingenberger drückt das Boogie-Woogie-Gaspedal durch, und die Besucher johlen vor Freude. Für die berückendsten Momente allerdings sorgt Martin Tingvall. Der schwedische Wahlhamburger punktet mit filigran verschachtelten Eigenkompositionen, immer am Rande der Melancholie, wunderschön.

Musik-Anekdoten gibt's zwischendurch

Zwischendurch gibt's Musik-Anekdoten, etwa zu Komponist Eric Satie, von dem Joja Wendt zu berichten weiß, er sei ein Messie gewesen, habe 27 Jahre lang keinen Besuch in seiner Wohnung empfangen und auf Spaziergängen stets einen Hammer bei sich getragen, um eventuelle Angreifer abzuwehren. Wie hinreißend Saties Musik ist, zeigt dann aber das zarte "Gymnopédie No.1" – ein leiser Moment an diesem häufig virtuos-überschwänglichen Premierennachmittag. Am Schluss freudige Gesichter auf und vor der Bühne – und jede Menge Autogramme am CD-Stand.

Hamburger Pianosommer Mo/Di 28./29.8., jeweils 20 Uhr, Staatsoper, Karten von 27,30 bis 62,50 Euro u. a. in der Abendblatt-Geschäftsstelle (Großer Burstah 18–32) und unter T. 30 30 98 98

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