Kultur

Klassik mit Netrebko, Nelsons, Telemann, Wagner

In Salzburg wird sie gerade als Aida gefeiert. Dass Anna Netrebko 2018 bei den Bayreuther Festspielen die Elsa im neuen „Lohengrin“ singen wird, hat sich mittlerweile erledigt; die Probleme der Sängerin mit der deutschen Sprache sind ihr offenbar eine Nummer zu groß, sie hat bis auf Weiteres abgesagt. War es das nun mit ihr und Wagner?Nicht ganz, denn es gibt ja den Video-Mitschnitt des Dresdner ­„Lohen­grin“ (DG, 2 DVDs/Blu-Ray ca. 18 Euro), für den Christian Thielemann die russische Diva im Mai 2016 in die ­Semperoper lockte. Und nicht nur Netrebkos Rollendurchdringung und Inbrunst lässt – trotz phonetischer Schwächen - den Anblick von Christiane Mielitz‘ asbachuralter Regie schnell vergessen: eine Elsa zum Hinknien. Auch Pjotr Bezcalas Debüt als Schwanenritter sorgt für wohlige Wagner-Wonnen. Und Thielemann? Bei Wagner eh in seinem Element.

Ein wenig frischen Wagner immerhin gibt es nun auch von Andris Nelsons, der sich in Bayreuth angeblich mit Thielemann verkrachte und hinwarf. Doch nicht die „Tannhäuser“-Ouvertüre ist der Star seiner neuen CD, sondern Bruckners 3. Sinfonie (DG, CD ca. 15 Euro). Schon deswegen passend, weil Bruckner Wagner abgöttisch verehrte. Und Auftakt zu einem Bruckner-Zyklus mit dem Leipziger Gewandhausorchester, dessen Leitung Nelsons im nächsten Jahr übernimmt. Die Ecken und Kanten fehlen noch, Nelsons dirigiert sehr auf Konsens. Doch was noch nicht ist, kann noch kommen. Der legendäre Leipziger Streicherklang schwebt schon jetzt veredelnd über allem.

Barock-Violine, solo? Johann Sebastian Bach und dann kommt vorerst nichts und niemand? Schon verkehrt. Auch Bachs Zeitgenosse Georg Philipp Telemann,Fixstern der Hamburger Musikgeschichte, hat in diesem Notenmarktsegment bewun­dernswert Schönes hinterlassen. Als kleine, feine Gratulation im laufenden Telemann-Jubiläumsjahr hat der ­Hamburger Barockgeiger Thomas Pietsch die „12 Fantasien für Violine solo“, 1735 veröffentlicht, nun aufgenommen (Es-Dur, CD ca. 15 Euro). Schön, dass es diese ­Rarität nun gibt; schöner noch, dass Pietsch dem Drang ­widersteht, die Meisterwerkchen übertrieben dramatisieren zu wollen und sie in Konkurrenz zu den funken­sprühenderen bachschen Solo-Werken zu setzen, wo sie nicht unmittelbar ­hingehören. Im Zweifelsfall hält er sich eher zurück, die Tongestaltung arbeitet mit zurückhaltender Phrasierung und Rhetorik.