Hamburg

Echte Entdeckung: das Hamburger Kaiser Quartett

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Henrich Oehmsen

Die vier Streicher mischen bei vielen Projekten mit, nächste Woche in der Elbphilharmonie

Hamburg. „Runter von der Bühne“, kommandierte Chilly Gonzales. Die Mitglieder des Kaiser Quartetts schauten verdattert, nahmen ihre Instrumente und gingen von der Bühne des Londoner Barbican Centres. Die vier Streicher hatten eine falsche Tonart angestimmt. „Nach zwei Solostücken hat er uns wieder zurück auf die Bühne geholt“, erzählt Martin Bentz, Cellist des Hamburger Ensembles. „Solche Aktionen gehören zu Chillys Shows. Man weiß nie genau, was ihm während der Konzerte so einfällt.“ Bentz und seine Kollegen sind inzwischen auf derartige Überraschungen eingestellt. Seit 2011 arbeiten sie mit dem kanadischen Pianisten zusammen. Im Schnitt spielen sie 50 Konzerte pro Jahr mit ihm – in den größten und besten Konzerthäusern in aller Welt.

In der kommenden Woche, am 8. August, steht die Elbphilharmonie auf dem Tourneeplan, im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals spielt das Quartett aus Gonzales’ Platte „Chambers“. Für das Kaiser Quartett ist es der erste Termin in Hamburgs neuem Konzerthaus. „Ich bin sehr gespannt auf die Akustik“, sagt Martin Bentz. Vom Klang der Pariser Philharmonie, ebenfalls gestaltet vom japanischen Akustiker Yasuhisa Toyota, war der Cellist nicht besonders angetan. „Wir spielen verstärkt, und es klang dort überklinisch, nicht sehr natürlich.“ Die kommenden Wochen sind für die Musiker anstrengend, neben den Engagements mit Chilly Gonzales sind sie auch beim Projekt von Socalled während des Kampnagel-Sommerfestivals dabei. „Ich habe heute gerade die Noten bekommen. Am Donnerstag ist die erste Probe“, erzählt Bentz. Er nimmt die kurze Zeit bis zur Premiere am 10. August gelassen. Sein Ensemble ist es gewohnt, auch mit nicht optimalen Bedingungen zurechtzukommen.

Beim Elbjazz Festival zum Beispiel, bei dem das Kaiser Quartett zusammen mit Gregory Porter aufgetreten ist, gab es vorher keine gemeinsame Probe. „Wir haben Porter erst gesehen, als er auf die Bühne kam.“ Die Arrangements hatten Adam Zolynski, Jansen Folkerts, Ingmar Süberkrüb und Martin Bentz allein einstudiert. Die Arbeitsweise von Josh Dolgin, der sich Socalled nennt, ist den „Kaisers“ jedoch vertraut. Vor drei Jahren bei der ersten Staffel des Puppen-Theaters waren die Hamburger auch schon dabei.

Einen eigenen Tonträger hat das Kaiser Quartett noch nicht veröffentlicht. Das soll sich im kommenden Jahr ändern: „Wir haben inzwischen eigene Musik geschrieben, im Spannungsfeld zwischen Philip Glass, Giorgio Moroder und Daft Punk.“

Chilly Gonzales & Kaiser Quartett Di 8.8., 20.00, Elbphilharmonie (ausverkauft)
Socalled & Friends Do–So 10.–13.8., Kampnagel (Bus 172, 173), Jarrestr. 18, Karten ab 14,-