Schriftsteller

„Inselschreiber auf Sylt – ein Sechser im Lotto“

Der Schriftsteller
André Georgi,
Jahrgang 1965,
ist 2017 Sylter
Inselschreiber

Der Schriftsteller André Georgi, Jahrgang 1965, ist 2017 Sylter Inselschreiber

Foto: picture alliance / dpa

Der Schriftsteller André Georgi ist Stipendiat an der Nordsee – den Sommer verbringt er absichtlich nicht dort.

Hamburg.  Es gibt etliche Stadtschreiberstipendien in Deutschland, und alle sind beliebt: Für ein paar kulturelle Aufgaben dürfen Dichter und Denker meist für ein ganzes Jahr in Städten wie Mainz, Trier oder Tübingen umsonst wohnen und arbeiten. Letzteres natürlich ganz nach Gusto: Niemand überprüft hernach, ob der Schriftsteller denn auch sein Pensum erledigt hat. Womit wir beim geografisch wahrscheinlich beliebtesten Stipendium des Landes wären, dem Job als Inselschreiber auf Sylt. In diesem Jahr ist das der Bielefelder André Georgi, Jahrgang 1965, der vor allem Drehbücher („Tatort“, „Schweigeminute“) schreibt und 2014 bei Suhrkamp den Thriller „Tribunal“ veröffentlichte. Er darf zwei Monate auf der Ferieninsel verbringen.

Sie sind in diesem Jahr Inselschreiber auf Sylt. Alles schön bis jetzt?

André Georgi: Herrlich! Sechser im ­Lotto.

Wie haben Sie sich eigentlich gegen die vielen Mitbewerber dieses beliebten Stipendiums durchgesetzt?

Georgi: Ich hoffe, es hing irgendwie mit dem Text zusammen, mit dem ich mich beworben habe. Mein Glück war außerdem, dass ich kein Autorenfoto einreichen musste (lacht).

Insgesamt sind Sie acht Wochen auf der Insel. Haben Sie sich die aufgeteilt, oder sind Sie zwei Monate am Stück da?

Georgi: Aufgeteilt! Ein Monat im Februar, und im November darf ich noch mal kommen. Ich liebe die Jahreszeiten am Meer, die sich einem nicht gleich an den Hals werfen.

Hat Sie das Stipendium noch beliebter im Familien- und Bekanntenkreis gemacht? Stichwort: Man könnte ja auch mal wieder nach Sylt ... – oder schätzen Sie viel eher die Schreibeinsamkeit?

Georgi: Nee, Einsamkeit war angesagt. Handy war meistens aus, Internetzugang extra schlapp. Morgens ein frischer, schön weißer Monitor und abends alles lecker schwarz gepinselt und Kommas korrigiert. Autorentraum!

Sylt hat ja auch bei norddeutschem Schietwedder und zu jeder Jahreszeit seine Freizeitqualitäten. Kommen Sie überhaupt zum Schreiben?

Georgi: Ich bin im November am Strand vor Kopenhagen geboren. Schietwedder gehört zu meinen quasi genetischen Produktionsbedingungen. Sehr hilfreich ist auch die Nähe eines Weinhandels in Rantum und meines Lieblings-Coffeeshops mit Käsekuchen von Oma und Röstaroma in der Luft. Abends am Strand die Wolken kontrollieren. Und am nächsten Morgen wieder ein weißer Monitor. Genial.

Mit welchen Verpflichtungen ist die Inselschreiber-Tätigkeit verbunden?

Georgi: Den besten Text schreiben, der in einem steckt. Ich würde mich am liebsten noch mal bewerben.

Neben der Unterkunft gibt es noch 2000 Euro Verpflegungsgeld. Wie weit kommt man damit auf der Hochpreis-Insel Sylt?

Georgi: Och – geht. Vielleicht kann ich im November paar Robben jagen.

An was arbeiten Sie derzeit? Wird die Nordsee Eingang in Ihr Werk finden?

Georgi: Ich bin auf der Zielgeraden meines zweiten Romans. Der erscheint im nächsten Frühjahr bei Suhrkamp. Ich darf die Deadline nicht reißen, sonst findet der Autor Eingang in die Nordsee ...