Hamburg

Ex-Kanzlerkandidat witzelt mit Kabarett-Star

| Lesedauer: 2 Minuten

Peer Steinbrück und Florian Schroeder in der fast ausverkauften Laeiszhalle

Hamburg. Der erste Gag sitzt. „Steinbrück und ich werden heiraten“, sagt Florian Schroeder. Das Publikum in der fast ausverkauften Laeiszhalle lacht und applaudiert. Der Kabarettist und der SPD-Politiker werfen sich die Bälle zu, doch das Thema „Ehe für alle“ führt schnell zu einem Angela-Merkel-Bashing. Anfangs wirkt dieser „Satiregipfel Spezial“ ein wenig wie eine SPD-Wahlkampfveranstaltung, doch schnell bekommen Schroeder und Steinbrück die Kurve.

Der ehemalige Kanzlerkandidat spart nicht mit Spitzen gegen seine eigene Partei, ohne dem aktuellen Kandidaten Martin Schulz zu sehr ans Leder zu gehen. Diesen Part muss Schroeder übernehmen, denn dem drohen keine Beschimpfungen durch die Genossen. Vor allem vor der Pause funktioniert dieser „G2-Gipfel“ der langjährigen SPD-Führungsfigur und des Kabarettisten, der sich vor allem als Stimmenimitator einen Namen gemacht hat – eine Fähigkeit, die er im Laufe des zweieinhalbstündigen Abends erfolgreich einsetzt. Angela Merkels typische Sprachdiktion beherrscht er ebenso wie die von Helmut Kohl oder die des Kollegen Dieter Nuhr. Besonders lustig wird es immer dann, wenn Schroeder sein Gegenüber in dessen breitem Hamburgisch nachmacht.

Das Duo hat sich als Aufgabe gestellt, aktuelle Politik mit Ironie zu spiegeln. Das funktioniert vor allem anfangs glänzend. Mit seinem losen Mundwerk und seinem trockenen Humor ist Peer Steinbrück dem schlagfertigen Komödianten und Satiriker ein ebenbürtiger Gegner und manchmal auch Partner, denn in einer Reihe von Fragen und Haltungen stimmen beide überein. Steinbrück glänzt unter anderem mit spitzen Bemerkungen zu US-Präsident Donald Trump („Die lose Kanone an Deck der USA“) und Ralf Stegner („Der Klaus Kinski der SPD“), Schroeder echauffiert sich über den aktuellen Kohl-Hype nach dessen Tod.

Nach der Pause nimmt der Schlagabtausch etwas ab und es fallen kluge Sätze zu Demokratie, Europa, Humor in der Politik und den neuen Verhältnissen in den USA. Das Publikum applaudiert brav bis euphorisch, doch der Humor bleibt etwas auf der Strecke. Aus Entertainment wird Infotainment.

( oeh )