Hamburg

"Die Zeitraffer", ein beeindruckendes Jugendstück

Die Azubis inszenieren am Klabauter Theater

Hamburg.  "Willkommen bei der Zeitrafferbank", begrüßt einen eine monotone Stimme. "Leider sind alle Plätze belegt. Bitte haben Sie einen Moment Geduld." Geduld ist allerdings ein begehrtes Gut, insbesondere für Leute, die eine Anlageberatung von Zeitraffern wünschen. Wobei diese Beratung ohnehin eher undurchsichtig ist. Antikes Griechenland, Newton, Religion – die Wahrnehmung fährt Achterbahn, und schon ist eine Viertelstunde vorbei. Wo ist die Zeit hin?

Kai Fischer und Christopher Weiß unterlaufen als Künstlerduo Die Azubis seit Jahren subversiv die Konventionen des Kinder- und Jugendtheaters, mit "Die Zeitraffer" haben sie zum ersten Mal eine Co-Produktion mit einer inte­grativen Theatergruppe erarbeitet: mit dem traditionsreichen Klabauter Theater, das sich seit einiger Zeit verstärkt darum bemüht, grenzübergreifende Formen zu entwickeln.

"Die Zeitraffer" ist dabei weniger klassisches Stück als Assoziationsraum: An der Rampe werden Aktenordner in einer kafkaesken Arbeitsbürokratie gestapelt, in einer Ecke frönt man dem Müßiggang, und von der Bühnendecke tropfen Eisskulpturen langsam vor sich hin. Die Zeit verrinnt, darauf noch einen Cocktail!

Das Stück ruht sich dabei nicht auf den durch die Bank beeindruckenden Leistungen des zu 100 Prozent präsenten Klabauter-Ensembles aus, sondern hinterfragt sich immer wieder selbst: Funktioniert die szenische Lösung gerade überhaupt? Oder funktioniert sie womöglich zu gut? Ein Song, der auf einem Tick-Tack-Rhythmus aufgebaut ist, mag mitreißen, allzu häufig leisten sich Fischer und Weiß so was aber nicht. Sondern gehen dahin, wo es wehtut: Jemand im Saal wird heute sterben, heißt es, und dieser jemand soll jetzt gesucht werden. Die Zeit ist abgelaufen, da fühlt sich das Publikum unbehaglich, und mit einem Schlag ist "Die Zeitraffer" vom fantasievollen Assoziieren zu einem Stück geworden, das kippen kann, das sich in gefährliche Regionen vorwagt.

"Die Zeitraffer" wieder am 4. und 5.7., 19 Uhr und 9., 16.7., 16 Uhr, Klabauter Theater, Junge­str. 7a, Karten unter T. 253 04 63 13

© Hamburger Abendblatt 2017 – Alle Rechte vorbehalten.