Kultur

Märchenhaftes Opernerlebnis

Neulich in der Staatsoper. Man spielt Benjamin Brittens Oper "A Midsummer Night's Dream", ein Stück so turbulent wie das Original von Shakespeare, mit Pärchen und unglücklich Verliebten, polternden Handwerkern, Elfen und Kobolden. Dank magischer Säfte geht erotisch einiges durcheinander – und nach der Pause hat die Zauberei auch das Ensemble erwischt: Die Sopranistin Hayoung Lee alias Elfenkönigin Titania ist unpässlich. Es werde in zehn Minuten weitergehen, lässt die Intendanz ausrichten. Geht es nicht; nach einer halben Stunde ist klar, dass Lee nicht weitersingen kann. Aber woher nimmt man so schnell eine neue Titania?

Hilfe kommt, wir sind schließlich im Märchen, von Titanias Gatten Oberon in Gestalt des Countertenors Lawrence Zazzo. Der singt für den verbleibenden dritten Akt den Part der Titania kurzerhand mit – und er verdoppelt sich auch noch szenisch, indem er mal als Elfenkönig seine Angetraute pantomimisch am Arm führt und mal selbst zu Titania wird. Was den Unterhaltungsfaktor eher noch erhöht. So spontan und virtuos wünschen wir uns doch unser Musiktheater. Musik-Theater eben.

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