HafenCity

Wiederentdeckung eines geheimnisvollen Seeweges

Diese Bodhisattwa-Statue
aus
Porzellan erinnert
an eine Mariendarstellung.
Experten
mutmaßen,
dass das der
Grund für ihre
große Popularität
in Europa war.
Porzellane gehörten
zu Chinas
wichtigsten
Handelsgütern

Foto: Guangdong Museum / HA

Diese Bodhisattwa-Statue aus Porzellan erinnert an eine Mariendarstellung. Experten mutmaßen, dass das der Grund für ihre große Popularität in Europa war. Porzellane gehörten zu Chinas wichtigsten Handelsgütern

Die maritime Seidenstraße ist Thema einer großen Schau im Internationalen Maritimen Museum in der HafenCity.

Hamburg.  Da alles eine Frage der Perspektive ist, erscheint der Ferne Osten nur uns fern. Für die Chinesen wiederum war Europa vor Jahrhunderten ein extrem fernes Ziel, mit dem man gleichwohl in Kontakt trat. 1887 prägte der deutsche Geograf Ferdinand von Richthofen den Begriff der "Seidenstraße" für jene weitgespannte Handelsrouten, über die Seide, Porzellane und andere Luxusprodukte aus dem Fernen Osten nach Zentralasien und dann weiter über den Mittelmeerraum bis ins westliche Europa gelangten. Doch außer dem berühmten Landweg gab es auch eine "maritime Seidenstraße", die erst in den vergangenen Jahren stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt ist.

Welche enorme wirtschaftliche, aber auch kulturelle Bedeutung dieser Seeweg hatte, zeigt das Internationale Maritime Museum jetzt mit der Ausstellung "East meets West", die in Kooperation mit dem Guangdong Museum im südchinesischen Guangzhou (Kanton) entstanden ist. Aus Anlass des 45. Jubiläums der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Volksrepublik China und der Bundesrepublik wurde es möglich, mehr als 100 kostbare Porzellane und kunstvoll gestaltete Objekte aus Stein, Keramik, Kupfer und Gold aus dem Bestand mehrerer chinesischer Museen erstmals außerhalb der Volksrepublik in einer Ausstellung zu zeigen.

Reiches kulturelles Erbe

Außer Stolz auf das reiche kultureller Erbe und die erstaunlichen Handelstätigkeiten zwischen dem 13. und 17. Jahrhundert dürften dafür auch die aktuellen chinesischen Visionen und handelspolitischen Ambitionen einer "neuen Seidenstraße" ausschlaggebend gewesen sein. Ein beträchtlicher Teil der Schätze, die in der Ausstellung auf zwei Decks sehr effektvoll präsentiert werden, entstammt zwei Wracks, die erst vor wenigen Jahren mit einem komplizierten Verfahren gehoben und geborgen werden konnten.

Eigentlich waren die chinesischen Unterwasserarchäologen im August 1987 auf der Suche nach einem Wrack der holländischen Ostindischen Kompanie, doch was sie im Südchinesischen Meer entdeckten, erwies sich als voll beladenes chinesischen Handelsschiff. Die "Nanhai 1", wie es nun offiziell genannt wurde, war irgendwann im 13. Jahrhundert in einen Taifun geraten und dann gesunken.

Geschnitztes Bambus-Räuchergefäß mit Figurenszenen Räuchergefäße wurden meist aus Bronze hergestellt, aber auch aus Materialien wie Holz und Porzellan. Diese Art zylinderförmiger Räuchergefäße war während der Ming- und Qing-Dynastien beliebt. Innerhalb des Gefäßes wird das Räucherwerk in ein Rohr aus Bronze verbracht. Beim Verbrennen entweicht der Duft aus dem Hohlraum, steigt in die Luft auf, erfüllt den Raum und belebt den Geist. Späte Ming- und frühe Qing-Dynastie H (gesamt): 29,8; B (Öffnung): 8,7 Sammlung des Museums Guangdong (FOTO: Guangdong Museum) Sonderausstellung EAST MEETS WEST im Internationalen Maritimen Museum Hamburg Guangdong Museum Guangdong Museum Zu sehen sind auch Schätze aus zwei Schiffswracks

Gut dokumentierte Bergungsgeschichte

Fasziniert stellte die Suchmannschaft fest, dass Schiff und Ladung erstaunlich gut erhalten geblieben waren. Insgesamt 247 Gegenstände, vor allem Porzellane, aber auch Metallwaren, konnten geborgen werden, bevor es 2007 gelang, das Schiff selbst zu heben und nach Guangdong zu transportieren. Spannender noch als die in der Ausstellung gut dokumentierte Entdeckungs- und Bergungsgeschichte dieses und eines weiteren chinesischen Wracks sind die aufgetauchten Objekte, die den enormen Wert der damals gehandelten chinesischen Produkte belegen. In einer Zeit, in der Hanse-Koggen vor allem Bier, Salz, Fisch, Getreide, Tuche und Pelze zwischen Städten im Ostseeraum transportierten, schickten chinesische Händler Luxusgüter vom Perlfluss bis nach Venedig.

Allerdings spielt auch hier die Per­spektive eine Rolle, denn aus chinesischer Sicht fing Westen schon in Indien und Persien an. Auch wenn fernöstliche Produkte schon im 14. Jahrhundert bis nach Venedig gelangten, tauchten dort in der Regel keine Chinesen auf, sondern überwiegend arabische Zwischenhändler, die auf Ware aus Fernost spezialisiert waren. Und profitabel war das allemal, zumal Ostasien etwa bis ins frühe 18. Jahrhundert hinein das Monopol der Porzellanherstellung besaß und damit ein Material herstellen konnte, das zeitweise in Europa mit Gold aufgewogen wurde.

Wie gut sich die Chinesen auf die Bedürfnisse ihrer westlichen Kundschaft einstellten, zeigt eines der interessantesten Objekte der Schau: Es ist ein blauweißer Krug mit der Darstellung der Kreuzigung Christi, die in chinesische Ornamentik übergeht. Aber auch islamische Grabsteine und hinduistische Skulpturen zeigen, dass es auf der "maritimen Seidenstraße" nicht allein um Handel ging, sondern ebenso um einen erstaunlichen religiösen und kulturellen Austausch über die gesamte damals bekannt Welt hinweg.

"East Meets West".
Maritime Seidenstraße im 13. bis 17. Jahrhundert.

Internationales Maritimes Museum, Koreastr. 1, bis 10.9., täglich 10.00–18.00, Begleitbuch 19,95; www.imm-hamburg.de

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