Hamburg

Kiefer Sutherland als Countryrocker im Mojo Club

Der „24“-Star kam ohne Pistole und Lederjacke, dafür mit Gitarre und eigenen Songs

Hamburg.  Dieses Mal ist Jack Bauer nicht gekommen, um die Welt zu retten. Keine Lederjacke, keine Glock und auch kein hingebelltes „Copy That!“. Jack Bauer trägt einen hellen Cowboyhut mit gerader Krempe, hat eine Akustikgitarre umgehängt und darf Kiefer Sutherland sein, der Schauspieler, der genauso mit seiner Filmfigur Jack Bauer identifiziert wird wie Götz George mit Schimanski.

Wie viele seiner Kollegen hat auch Kiefer Sutherland Lust auf Countryrock und im vergangenen Jahr ein Album mit selbst geschriebenen Songs veröffentlicht. „Down In A Hole“ heißt es. Im Mojo Club beginnt er seine aktuelle Konzertreise. „Down In A Hole“ hat für den 50-jährigen die Funktion eines Tagebuchs. Zwischen den Songs erzählt er etwas über den Inhalt der einzelnen Stücke, doch er nuschelt so stark, dass nur Bruchteile davon zu verstehen sind. Im ausverkauften Mojo Club ist es so laut wie in einem Saloon, viele Zuschauer schwatzen und sind an ihren eigenen Geschichten mehr interessiert als an den Geständnissen des Hollywood-Stars.

Sutherland spielt auch Songs von Bob Dylan und Tom Petty

Der erzählt zum Beispiel von seiner Erfahrung im Knast. Sechs Wochen lang musste er 2008 wegen Alkohols am Steuer und Verstoßes gegen Bewährungsauflagen einsitzen, einen Prominenten-Bonus bekam er nicht. Darüber hat er einen Song geschrieben und auch über seine Alkoholprobleme. „Down In A Hole“ ist ein passender Titel für sein Selbsterfahrungsalbum, „Not Enough Whiskey In Europe“ lautet der Name der Tournee, dazu gibt es ein T-Shirt, das im Design und den Farben stark an einen Bourbon erinnert. Kiefer Sutherland macht Musik für die Saloons, in denen Cowboys Billard spielen und Trucker ein blutiges Steak zermahlen, bevor es wieder auf den Highway geht. Er ist kein überragender Sänger, aber mit Kollegen wie Jeff Bridges und Billy Bob Thornton kann er mithalten – und ist um Klassen besser als Kevin Costner. Sutherlands dunkle, raue Stimme hat etwas Anziehendes. Kein Wunder, dass direkt vor der Bühne deutlich mehr Frauen als Männer stehen, um ihn anzuhimmeln.

Eine erstklassige Band mit drei Gitarristen hat er ins Mojo gebracht, die immer wieder solistisch glänzen. Seine eigenen Songs reichen nicht für einen 90-minütigen Auftritt, deshalb muss Sutherland auch covern. Er besinnt sich dabei auf Musiker, die er selber verehrt, wie Tom Petty und Gordon Lightfoot. Zum Abschluss wählt er eine Nummer, die der große Meister selber schon lange nicht mehr gespielt hat: „Knockin’ On Heaven’s Door“ von Bob Dylan ist der gelungene Rausschmeißer an diesem Abend.