HAMBURG

Immer noch Blattmacher

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Werner Funk prägte als Chefredakteur „Spiegel“ und „Stern“ – nun wird er 80

HAMBURG. „MedienContor“ steht auf dem Klingelschild. In einem Hamburger Geschäftshaus belegt Werner Funk mit Weggefährten aus der Hamburger Medienbranche eine Büroetage. In seinem Arbeitsraum schmücken Schwarz-weiß-Titelbilder eines Kundenmagazins die Wände. „Ich hatte die Idee, eine Zeitschrift zu machen, die mir selbst gefällt – ohne ambitionierte ökonomische Ziele“, erzählt der frühere Chefredakteur von „Spiegel“, „manager magazin“, „Geo“ und „Stern“.

Dieser Tage bereitet er Ausgabe 22 des zweimal jährlich erscheinenden Heftes einer Hamburger Privatbank vor. „Ich habe eine wunderbare Lücke gefunden“, erzählt Funk. Er feiert am Dienstag seinen 80. Geburtstag. Als Chefredakteur und Art-Director in Personalunion legt der Medienmacher die Beiträge fest, gibt sie in Auftrag und kümmert sich ums Layout. „Viel Kultur, Reise, Lebensart“, sagt Funk zu den Inhalten.

Den politischen Beitrag – zumeist ein Interview mit deutschen Polit-Größen – lässt „Augstein-Schüler“ Funk sich nicht nehmen. „Ab und zu machen wir eine Redaktionssitzung – in einem ordentlichen Lokal. Das ist sehr nett“, erzählt Funk aufgeräumt.

„In diesem fortgerückten Alter hätte ich nicht gedacht, dass es mir so gut gehen kann“, ergänzt der Blattmacher. Eine spaßbringende Freizeitbeschäftigung sei seine aktuelle Arbeit. „Aber es fordert mich.“ Für seine Fitness hält sich Funk nach wie vor mit Rennradfahren in Form. 70 Kilometer Tagesleistung, draußen in der Holsteinischen Schweiz, waren für ihn am Mai-Sonntag ein „ordentlicher Schnitt“. Drei- bis viermal die Woche tritt er in die Pedale.

Der aus Hannover stammende Diplom-Ingenieur hatte 1968 beim Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ als Korrespondent begonnen und zog 1985 in die Chefredaktion um Herausgeber Rudolf Augstein (1923–2002) ein.

„Derjenige, der einen Extra-Kick hatte oder einen Einfall oder eine Inspiration: Das war Augstein. Er war für mich – in seiner Hochzeit – die absolute Autorität“, sagt Funk. Mit einem Stiftungsmodell, das die Mitarbeiterbeteiligung am Verlag beenden sollte, eckte Funk an – und musste schließlich gehen.

Als machtbewusster, manchmal hartherziger Blattmacher ist Funk von Kritikern beschrieben worden, als er nach seiner „Geo“-Station (1992–1994) für Gruner + Jahr den „Stern“ auf Kurs bringen sollte. Ressort-Straffungen und Stellenstreichungen waren damals ein Novum für Verlage. 1998 schied er als Chefredakteur beim „Stern“ aus, kehrte als Herausgeber kurz noch einmal zurück und übernahm dann diese Funktion beim Wirtschaftsmagazin „Capital“. „Ich war in der Tat immer sehr fordernd“, bekannte Funk einst. Heute sagt er lachend: „Das ist verjährt.“

( dpa )