Hamburg

Zwei gegensätzliche Klangbilder eines Orchesters

Hamburg.  Wer im Vorfeld das Programm zum 9. Symphoniekonzert der Hamburger Symphoniker zur Hand nahm, dessen Interesse wurde sicher zuerst von Poulencs „Concert Champêtre“ geweckt. Ein Konzert für Cembalo und Orchester? Spannend! Doch dann kam am Sonntag in der Laeiszhalle vieles anders als erwartet.

Nicht nur Prokofjew-Fans werden sich während der eröffnenden „Symphonie Classique“ mehr als einmal ein ­Orchester gewünscht haben, das nur halb so groß besetzt ist, aber dafür doppelt so pointiert und artikuliert spielt. Ein Teil dieses Wunsches ging beim „Concert Champêtre“ in Erfüllung. Die Besetzung war hier deutlich reduziert. Doch am Grundübel dieses Konzerts änderte selbst das nichts. Ein Cembalo, selbst wenn es wie hier verstärkt wird, hat gegen ein Symphonieorchester klanglich schlicht keine Chance. So schnappte man zwar hier und da sehr aparte Klangkombinationen von Orchester und Soloinstrument auf und wurde doch mit dem Ganzen nie recht glücklich.

Das Highlight für Cembalo-Fans kam erst mit der Zugabe von Mahan ­Esfahani. Jedes Mal, wenn der nach den Zügen seines Instruments griff, wartete man gespannt darauf, mit welcher neuen Klangfarbe die Musik nun wieder einsetzen würde. Die Klangvielfalt der Cembaloregister, hier kam sie endlich ungestört zum Tragen.

Dirigent Ion Marin wirkt mit seinem distanzierten Habitus zwar nicht so, aber er ist offenbar der Mann für romantischen Überschwang. Was den Symphonikern nach der Pause unter Marins Leitung in Saint-Saëns’ „Orgelsymphonie“ an beseeltem Musizieren gelang, war schlicht grandios. Organische, atmende Phrasierungen, im Andante ein warmer, voller, in Orgeltöne eingebetteter ­Orchesterklang, ein erhebend-triumphales Finale. Hier klang alles genau so, wie es sein muss.

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