Hamburg

Der Monet des Nordens

Das Jenisch-Haus präsentiert den Hamburger Maler Ernst Eitner in einer großen, schönen Ausstellung

Hamburg. Internationale Museen haben Ernst Eitner längst in den Kreis der bedeutenden Impressionisten aufgenommen: Zum 150. Geburtstag des Hamburger Malers präsentiert ihn das Jenisch Haus von Sonntag an mit 110 Bildern als „Monet des Nordens“.

Der Park und die Kunst

Der lichte Jenischpark mit seinen alten Bäumen ist im Sommer eine Einladung an alle Städter, die Seele baumeln zu lassen. Mittendrin im Jenisch Haus wurde jetzt mit der Ernst-Eitner-Schau die perfekt dazu passende Sommer-Ausstellung eröffnet.

Zum größten Teil stammen die Gemälde aus Familien- und Privatbesitz und sind bisher selten oder noch nie gezeigt worden. So erstrahlt die Schaffenskraft des Malers in schöner Vielfältigkeit. Doch die ersten Jahre waren für Eitner nicht leicht. Im kulturell rückständigen Hamburg wurden seine Bilder zu Beginn als „Spinat mit Ei“-Geschmier verunglimpft.

Aber bald hatte Eitner Mitstreiter: Mit jungen Malern wie Arthur Illies oder Friedrich Schaper gründete er 1897 den „Hamburgischen Künstlerclub“, mit dem damaligen Kunsthallendirektor Alfred Lichtwark waren sie in engem Kontakt. Der ermunterte sie, es den Franzosen gleichzutun und im Freien zu malen. Ernst Eitner arbeitete ohnehin am liebsten in der Natur, malte ­familiäre Gartenrunden, beschauliche Szenen am Meer, idyllische Flussläufe.

Die schönsten Bilder

Meisterhaft ist sein Umgang mit natürlichem Licht. Eine Allermöher Brücke malt er im matt schimmernden Frühdunst mit schemenhafter Sonne, den sommerlichen Schatten, der einen grasbestandenen Hang verdunkelt, belebt Eitner durch Lichtpunkte und ein plauschendes, im Gras lagerndes Paar. Im Schein eines dunstigen Vollmondes malt er sein sanft koloriertes Bild „Schilfernte an der Trave im Mondschein“, und wenn er in der Nacht die vielen Ruderboote am Uhlenhorster Fährhaus in allerlei Studien festhält, dann ist dieser norddeutsche Maler schon ziemlich nah an Claude Monets Lichter-Zauber.

Doch auch unter den Intérieurs und (Selbst-)Porträts ragen einige heraus, auch ohne Tageslicht: „Großvater mochte Petroleumlicht viel lieber als elektrisches“, erzählt Ernst-Christian Wolters, der Enkel von Ernst Eitner, im Angesicht eines Frauenporträts bei Kerzen- und bei Petroleumlicht.

Topografisch und thematisch interessant, wenn auch nicht so stimmungsvoll, sind überdies Eitners Bilder vom ersten Hamburger U-Bahn-Bau um 1905, auf denen man unter anderem sieht, wie spärlich bebaut die Hansestadt damals noch gewesen ist.

Der Künstler und seine Familie

Allein 50 Leihgaben stammen von den Nachkommen Ernst Eitners, allen voran seinem Enkel Ernst-Christian Wolters, der dessen Nachlass verwaltet. Zu Hause in seinem hübschen Hummelsbütteler Giebelhaus hängt er regelmäßig die ­Gemälde um, die die ganze Familie liebt. Vieles ist dort so geblieben, wie Großvater Ernst es einst eingerichtet hatte. Sogar das Atelier existiert noch, wenn auch verkleinert. Die Staffelei, die hölzerne Palette und der Malstuhl in der Ausstellung stammen wirklich von Ernst Eitner – es ist also auch in dieser Hinsicht ein Glücksfall, dass Wolters auf das Museum zugekommen war mit der Idee einer Ausstellung. „Als wir Kinder waren, hat er uns ständig gezeichnet und gemalt“, erinnert sich der frühere Reedereikaufmann. Ernst Eitner sei ein Familienmensch gewesen. Ein schönes Porträt seines Großvaters im Profil hat Wolters aus einer Ecke des Ateliers abgenommen und in die Ausstellung gebracht – in einen Raum mit weiteren von Sommerlicht durchfluteten Gartenbildern, mit Eitners lesender Ehefrau Toni, den dösenden Kindern.

Als Achtjähriger war Wolters mit seinen Eltern 1949 in Großvater Eitners Hummelsbütteler Haus gezogen, und später „haben wir Kindern ihn leider ziemlich oft geärgert“. Bis heute plagt ihn da ein schlechtes Gewissen, deshalb ist Wolters umso glücklicher, die damaligen Streiche durch die Pflege des Nachlasses „wiedergutzumachen“.

„Ernst Eitner. Monet des Nordens“ 14.5.–12.11. Jenisch Haus, Baron-Voght-Str. 50, Eröffnung So 14.5., 15.00, Di–So 11-18.00, Eintritt 6,50/4,- Euro. Auch die Galerie Herold, Colonnaden 5, zeigt bis 7.7. Eitner-Bilder