Hamburg

Mahan Esfahani und die Vorzüge des Cembalos

Der im Iran geborene Musiker tritt am Sonntag mit den Symphonikern Hamburg auf

Hamburg.  Sein erstes Cembalo stammt aus einem Bausatz. „Ich habe es mit meinem Vater in unserer Garage zusammengebaut“, erzählt Mahan Esfahani. Als Teenager lebte der gebürtige Iraner mit seinen Eltern in einer Kleinstadt in der Nähe von Washington, D.C. „Es war kein wirklich tolles Instrument, aber man konnte darauf spielen.“ Seit dieser ersten Erfahrung mit dem sogenannten Zupfklavier hat es Esfahani so sehr fasziniert, dass es zu seinem Hauptinstrument wurde: „Das Cembalo hat keinen besonders guten Ruf, immer wieder wird gesagt, wie eingeschränkt die klanglichen Möglichkeiten verglichen mit dem Klavier sind.“

Mahan Esfahani stellt seine Programme aus zeitgenössischen und klassischen Stücken zusammen, um die Variationsmöglichkeiten des Cembalos zu zeigen. Das führt schon mal zu lautstarken Protesten wie vor zwei Jahren in Köln, als der Virtuose in der dortigen Philharmonie ein Konzert abbrechen musste, er spielte „Piano Phase“ des amerikanischen Minimalisten Steve Reich. „Ach, das war keine große Sache“, kommentiert er den Vorfall. Gibt aber zu, dass ein Cembalospieler es innerhalb der Klassikwelt nicht leicht habe. „Das Publikum realisiert nicht, wie privilegiert es ist, überhaupt Musik auf diesem Instrument hören zu dürfen.“

Mit dem Aufkommen des Hammerklaviers Ende es 18. Jahrhundert war das Cembalo mit seinem hellen, obertonreichen Klang mehr als 100 Jahre weg vom Fenster. Erst die Beschäftigung vieler Dirigenten und ihrer Ensembles mit Barockmusik brachte eine Wiederkehr. Wenn Mahan Esfahani am 14. Mai zusammen mit den Symphonikern in der Laeiszhalle auftritt, wird er Francis Poulencs 1927 komponiertes „Concert champêtre“ spielen.

Hamburg bringt ihn zum Schwärmen: „Ich bin im vergangenen Jahr beim Reeperbahn Festival im Resonanzraum aufgetreten. Ich habe eine enge Beziehung zu alternativer Musik, und es war toll, sich in einem anderen musikalischen Kontext zu bewegen.“ Und wenn Mahan Esfahani in die Hansestadt kommt, nutzt er die Gelegenheit, iranische Lebensmittel einzukaufen, was in Prag, wo er seit zwei Jahren lebt, nicht so einfach sei.

So enthusiastisch der 33-Jährige über das Cembalo und Musik im Allgemeinen plaudern kann, so verschlossen ist er beim Thema Iran. Seine Einschätzung der dortigen Musikszene? „Darüber weiß ich nichts.“ 1979 nach der Revolution und der Gründung der islamischen Republik war im Iran sogar der Instrumentenbesitz verboten. Auch Mahan Esfahani hatte keine Gelegenheit, in seinem Geburtsland aufzutreten. „Keiner hat mich bisher gefragt, also gehe ich nicht dorthin“, sagt er, um sofort anzufügen: „Aber nächsten Monat spiele ich in Israel, beim Jerusalem Arts Festival.“

Für Überraschungen ist Mahan Esfahani gut. Deshalb passen seine Programme oft besser an Orte wie den Resonanzraum als in die klassischen Musiksäle. Wenn er nun in der Laeiszhalle auftritt, ist ein Skandal wie in Köln trotzdem nicht zu befürchten, Poulencs „Concert champêtre“ wird keinen Zuhörer verstören.

Mahan Esfahani, Symphoniker Hamburg,
Ltg. Ion Marin, So 14.5., 19.00, Laeiszhalle
(U Gänsemarkt), Karten 9,50 bis 49,50 Euro

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