Konzert in Hamburg

Joy Denalane – Perfektion auf der Bühne

Joy Denalane (43)
gelang 1999 mit
der Hip-Hop-Band
Freundeskreis und
dem Song „Mit
dir“ der große
Durchbruch

Joy Denalane (43) gelang 1999 mit der Hip-Hop-Band Freundeskreis und dem Song „Mit dir“ der große Durchbruch

Foto: picture alliance / dpa

Nach sechs Jahren ist die Soul-Diva mit neuem Album auf Comeback-Tour. Begeisterndes Konzert in Hamburg.

Hamburg.  Vom Band läuft das In­tro-Gedicht von Joy Denalanes neuem Album Gleisdreieck. Ihr jüngerer Sohn Jamil hat es eingesprochen. Der Bass wummert durch das ausverkaufte Hamburger Docks. Und dann steht sie plötzlich auf der Bühne, die Queen des deutschen Souls. „Ich kann den Himmel berühren“, singt Denalane und streckt die Arme in die Luft. Sie strahlt – mindestens genauso sehr wie der weiße Overall, den sie trägt.

Seit ihrem letzten Album „Maureen“ sind sechs Jahre vergangen, in denen Joy Denalane nicht solo auf der Bühne stand. „Es ist nicht so, dass ich nicht gearbeitet habe“, erklärt die 43 Jahre alte Berlinerin am Dienstagabend ihren Fans. Sie habe ein fertiges Album über Bord geworfen und von vorn angefangen. „Das war nicht die leichteste Entscheidung. Aber ich hatte das Gefühl, ich habe mich nur wiederholt.“

Jeder Ton sitzt

Diesen Hang zur Perfektion verkörpert Denalane auch auf der Bühne. Jeder Ton sitzt. Durch ihre nachdenklichen, lebensklugen und zum Teil wachrüttelnden Texte, die mitten aus ihrem Herzen zu kommen scheinen, ist sie aber alles andere als unnahbar. Sie serviert den Fans ihre Seele auf dem Silbertablett.

„Hologramm“ und „Zwischen den Zeilen“ handeln von einer zerbrochenen Beziehung, der unerfüllten Liebe und ganz allgemein der Schwere des Seins. Anfangs herrscht noch gemütliche Lounge-Atmosphäre, doch mit dem sechsten Song beginnt das Publikum zu tanzen.

Pure Lebensfreude

Die aktuelle Single „Alles leuchtet“ ist einer der Höhepunkte des Abends. Den Gute-Laune-Song hätte man am liebsten in Dauerschleife gehört. Die Fans singen lauthals mit, Denalane strahlt die pure Lebensfreude aus. Fast schade, dass die Sängerin zügig zum Ernst des Lebens zurückkehrt – zumindest thematisch. „Ich habe meine eigenen Dämonen kennengelernt“, leitet sie den nächsten Song „Blut ist nicht dicker als Wasser“ ein.

Eine große Rolle in Denalanes Musik spielt ihre Herkunft. Als Tochter eines Südafrikaners und einer Deutschen ist sie schon häufig Opfer von Alltagsrassismus geworden. Obwohl sie in Berlin-Kreuzberg – in der Nähe des Bahnhofs Gleisdreieck – groß geworden ist und sich als Deutsche fühlt, war sie in der Vergangenheit immer wieder auf der Suche nach einem echten Zugehörigkeitsgefühl. Zu akustischen Gitarrenklängen fragt Joy Denalane ihre verstorbene Mutter, wo eigentlich ihr Zuhause sei („Und ich frag, wo komm ich her / Du sagst, ich weiß es nicht mehr / Doch das ist dein Zuhause“).

Nach zwei Stunden, fünf Zugaben und zig emotionalen Aufs und Abs verabschiedet sich Denalane mit der flotten Tanznummer „Elli Lou“. Dann verlässt sie die Bühne – hoffentlich nicht wieder für sechs Jahre.