Hamburg

In der Laeiszhalle klang Monteverdi taufrisch

Hamburg. Alte Musik ist bieder, langweilig, geordnet? Wer das behauptet, der kann nicht beim Konzert von ­Rinaldo Alessandrini und seinem Concerto Italiano in der Laeiszhalle gewesen sein.

Die sechs Sänger und acht Instrumentalisten brachten dem Komponisten Claudio Monteverdi zum 450. Geburtstag ein Ständchen der besonderen Art, Rap und Percussion inbegriffen. Es war kaum zu glauben, wie eine Handvoll Streicher und ein Cembalo ein wahres Schlachtengetümmel entfalten konnten. Okay, zugegeben, sie hatten ihre ­Geheimwaffen dabei: zwei Theorben, diese riesigen Lauten mit der unverschämten Tiefe. Die verkörperten vom Herzschlag der versehentlich getöteten Geliebten bis zum Abgrund alles, was das Leben an Dramen zu bieten hat. Im 17. Jahrhundert war das offenbar auch schon einiges. Monteverdi jedenfalls ließ nichts aus. Skandalös neu war seine Klangsprache, das war sogar noch an diesem norddeutschen Abend des 21. Jahrhundert zu spüren mit seinen jähen Szenenwechseln und haarsträubend dissonanten Akkorden.

Das Ganze lebte von Alessandrinis ganz einzigartigem Gespür für Atem, für Zeit, für Stille. Er gab den Sängern die ganz große Bühne, und die kosteten mit sichtlichem Vergnügen die Stimmungen aus. Sie seufzten vor Liebeskummer, ließen Halbtöne sich umeinanderwinden und erzählten in geradezu zungenbrecherischem Tempo. Wie so oft waren die Damen den Herren klanglich und stimmtechnisch überlegen. Doch die Kunst,­ die Musik mit Schleifern, Trillern und raffinierten Volten taufrisch ­erscheinen zu lassen, die beherrschten sie gleichermaßen.

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