Abu Dhabi

Deutschland zeigt kaum Interesse an arabischer Literatur

Abu Dhabi.  Der Übersetzer Hartmut Fähndrich beklagt mangelndes Interesse deutscher Verlage an Literatur aus der arabischen Welt. „Das ist ein tristes Kapitel“, sagte Fähndrich der Deutschen Presse-Agentur. „Die großen Verlage übersetzen höchstens hier ein Titelchen und dort ein Titelchen. Sie argumentieren immer, arabische Literatur käme nicht an.“ Diese könnte Fähndrich zufolge jedoch entscheidend dazu beitragen, die arabischen Gesellschaften und die politischen Umbrüche in der Region besser zu verstehen. Fähndrich gehört zu den bekanntesten Übersetzern von Literatur aus dem Arabischen. 2016 erhielt der 72-Jährige den Schweizer Literaturpreis. Vor einigen Jahren saß er in der Jury des Internationalen Preises für Arabische Romanliteratur (International Prize for Arabic Fiction/IPAF). Die oft auch Arabischer Booker-Preis genannte Auszeichnung wird jetzt zum zehnten Mal in Abu Dhabi verliehen.

In den 1990er-Jahren sei in Deutschland eine viel größere Zahl an arabischen Titeln übersetzt worden, beklagte Fähndrich. Mittlerweile finde er in französischen Buchläden wesentlich mehr übersetzte Bücher. Viele in der arabischen Welt populäre Autoren seien in Deutschland unbekannt, weshalb auch die Nachfrage gering sei. „Ich weiß nicht, wie man aus diesem Teufelskreis ­ausbrechen kann“, sagte Fähndrich. Der Gewinner des Arabischen Booker Prize erhält 50.000 US-Dollar, sein Titel wird ins Englische übersetzt. Die wenigsten Sieger-Titel wurden bisher ins Deutsche übersetzt.