Hamburg

Symphoniker: lascher Beethoven, feiner Chopin

Hamburg.  Eivind Gullberg Jensen ist eine elegante Erscheinung. Der norwegische Maestro – dunkle Locken, schlanke Frackfigur – verströmt eine natürliche Bühnenpräsenz und formt den Klang des Orchesters mit flüssigen Gesten.

Das wirkt alles sehr geschmeidig und souverän. Doch es passt nicht immer zur Musik. Beim Auftritt mit den Symphonikern Hamburg in der Laeisz­halle verpuffen die krassen dynamischen Kontraste, die Beethoven seinen Hörern in der achten Sinfonie um die Ohren knallt, ziemlich lasch. Und auch der Humor im Allegretto scherzando hat nicht den Biss, den andere Interpreten hier schon entdeckt haben.

In der zweiten Sinfonie von Robert Schumann bekommt Gullberg Jensen den Geist der Musik besser zu fassen. Dort stehen nicht scharfe Kanten, sondern große Bögen im Vordergrund, die er mit ruhiger Hand modelliert. Aufmerksam fördert der Dirigent die Echo-Effekte zu Tage, mit denen Schumann Konturen verwischt, und er dringt mit den Symphonikern in die emotionalen Tiefenschichten der Partitur ein. Allerdings bleibt er dabei zu weit an der Oberfläche. Der Schmerzenston im langsamen Satz bohrt sich nicht so schicksalsschwer ins Herz, wie es diese Musik eigentlich verlangt. Obwohl Gullberg Jensen besonders ausdrucksvolle Passagen mit unfreiwilligen Zischlauten begleitet, umgibt ihn eine etwas kühle Aura, die er nie so ganz abstreift.

Deshalb wird der Auftritt des Solisten zum Höhepunkt des Abends. Der spanische Pianist Javier Perianes findet im zweiten Klavierkonzert von Camille Saint-Saëns eine ideale Mischung aus virtuosem Glitzer und innigen Momenten. Im Zusammenspiel mit dem Orchester beweist er ein feines Gespür für die Stimmungen und bildhaften Charaktere der Musik: wenn er etwa im zweiten Satz eine Schar luftiger Elfenwesen über die Tastatur huschen lässt oder im Finale löwengleich seine Akkorde in den Flügel prankt.

Mit einer wunderbaren Chopin-Mazurka als Zugabe entfacht Perianes schließlich einen Zauber an feinen Tempo- und Farbnuancen, den man sehr gern möglichst bald auch einmal in einem Soloabend erleben würde.