Hamburg

Die Warteschlange als Ereignis

Seit 4 Uhr am frühen Morgen standen Hamburger beim Exklusiv-Verkauf des Abendblatts für Elbphilharmonie-Karten an

Hamburg. Der allererste war Erik Steenbock. Um vier Uhr morgens. Also eigentlich: mitten in der Nacht. Er brachte zwei Freunde, Bier und Klappstühle mit. Und dicke Jacken. Die drei jungen Männer platzierten sich entsprechend präpariert direkt vor der Geschäftsstelle des Hamburger Abendblatts am Großen Burstah, um Konzertkarten zu kaufen. Jeweils vier Tickets für das Konzert der Mannheimer Philharmoniker mit Pianistin Olga Zado am 13. November 2017 in der Elbphilharmonie. Nicht die Künstler sind die Stars, der Saal ist es.

Die drei jungen Männer wollen ihre Eltern und Geschwister in das Konzert einladen, für das es am Montagvormittag ab 8.30 Uhr 1500 Karten exklusiv beim Hamburger Abendblatt zu kaufen gab. Eine Aktion zum einjährigen Bestehen der Abendblatt-Geschäftsstelle an diesem Ort und gleichzeitig ein weiterer Beweis dafür, dass derzeit in der Hansestadt nichts so heiß gehandelt wird wie ein Ticket für das neue Konzerthaus. Jeder will die Elbphilharmonie persönlich begutachten, sie ist weit, weit mehr als eine weitere Abspielstätte für Kultur; nämlich ein oft als „architektonisches Weltwunder“ bezeichnetes Ereignis, dem man als Hamburger wenigstens einmal einen Besuch abgestattet haben muss. Der Hype um die Elbphilharmonie ist auch knapp dreieinhalb Monate nach ihrer Eröffnung längst nicht beendet.

Schon um 7 Uhr reichte die Warteschlange bis zur Drogerie-Filiale. Um 8 Uhr stehen die Elbphilharmonie-Fans fast vom Adolphsplatz bis zur Geschäftsstelle. Weit vorn dabei: Sybille Groth aus Sülldorf. Sie ist mit der ersten S-Bahn in die City gekommen, um sich Tickets zu sichern und hat bereits Konzerte in der Elbphilharmonie besucht. Sie liebt das Konzerthaus, erzählt sie, und schätzt vor allem das abwechslungsreiche Programm. Das lange Warten am trüben Montagmorgen macht ihr nichts aus. „Im Gegenteil“, sagt sie. „Das Frieren und Warten verbindet und hat hier einige Menschen zusammengeführt. Wir verstehen uns prächtig.“ Was Fans vor allem von Teenie-Bands oder Internetstars wie den Musical.ly-Zwillingen Lisa und Lena ganz normal finden mögen, ist für das gesetztere Publikum ein Erlebnis für sich: Der Hype als Ereignis. Warten mit Gleichgesinnten. Frierend, plaudernd, scherzend.

Seit 6.30 Uhr steht Peter Dinslage aus Norderstedt an, um bei Geschäftsstellenöffnung einen sicheren Platz zu besetzen. Auch er hat sich eine Sitzgelegenheit mitgebracht und sie in Höhe des Drogeriemarktes am Großen Burstah aufgebaut. „Für mich ist das dann der erste Konzertbesuch in der Elbphilharmonie“, sagt er. „Das Gebäude habe ich aber schon besichtigt.“

Schließlich geht es Schlag auf Schlag. Vier Karten, bitte. Zwei Karten, bitte. Wer erfolgreich ist, verabschiedet sich von den Mitwartenden: „Wir sehen uns am 13. November!“ Ursula Geithe ist 82 Jahre. „So was hab ich noch nicht erlebt!“ strahlt sie. Ihre Klappstühle sind schon wieder im Auto verstaut.

Um 16.32 Uhr meldet die Geschäftsstelle, was bislang für alle Elbphilharmonie-Konzerte galt: ausverkauft.

In der Abendblatt-Geschäftstelle (Großer Burstah 18-32) lässt sich morgen von 14 bis 15 Uhr der Faltkünstler Ismet Apaydin über die Schulter schauen