Kultur

Klassik mit Philippe Jaroussky und Daniel Hope

Die Geschichte von Orpheus, der seine Ehefrau Eurydike so sehr liebt, dass er sich aufmacht, sie aus dem Totenreich zurückzuholen, ist zugleich der Gründungsmythos der Musik.

Von Beruf ist der Verwitwete nämlich Sänger, und sein Gesang rührt, so die Legende, selbst Tiere zu Tränen. Zu allen Zeiten hat der Stoff Komponisten gereizt. Wer wäre berufener, ihre Musik einzusingen, als der Countertenor Philippe Jaroussky? Mit seinen sublimen Interpretationen und seiner hellen, warmen, faszinierend beweglichen Stimme ist er der Orpheus unserer Tage, bei aller angezeigten Skepsis gegenüber Superlativen und auch im Angesicht einer ganzen Generation begnadeter Kollegen. Für seine neue CD „La storia di Orfeo“ (Erato, ca. 17 Euro) hat Jaroussky drei Orpheus-Vertonungen aus dem 17. Jahrhundert zusammengegossen: die von Luigi Rossi, die von Antonio Sartorio und die von Claudio Monteverdi aus dem Jahre 1607, die den (bekanntlich nicht ganz unumstrittenen) Ehrentitel „erste Oper der Musikgeschichte“ trägt.

Das Ergebnis ist, so verschieden die drei Komponisten ihre Schwerpunkte gesetzt haben mögen, insgesamt erstaunlich konsistent. Dabei helfen Philippe Jaroussky die Sopranistin Emöke Baráth, der Coro della Radiotelevisione svizzera und das Ensemble I Barocchisti unter Diego Fasolis.

„For Seasons“? Da stimmt doch was nicht! Richtig – und das ist Absicht. ­Daniel Hope hat für die Deutsche Grammophon Vivaldis weltberühmten Zyklus von Violinkonzerten „Le quattro stagioni“ aufgenommen, der im internationalen Musikbetrieb als „Four Seasons“ firmiert (ja, genau, mit „u“) – leider bar jeder künstlerischen Handschrift (CD ca. 17 Euro).

Den zwölf Tracks hat er einen Rattenschwanz an Nummern hinzugefügt, die einmal durchs Jahr führen sollen, für jeden ­Monat eine. Die Auswahl ist so quietschbunt wie das scheußliche Cover, sie reicht von Rameau und geistlichen Arien von Bach bis zu leicht verdaulich Zeitgenössischem von Aphex Twin oder Chilly Gonzales.

Hier ein bisschen wohliges sommerliches Rauschen und da ein bisschen Weltschmerz (Achtung, Herbst!). Das Zürcher Kammerorchester hat man auch schon wesentlich inspirierter gehört, und auch die Gastauftritte durchaus ­renommierter Kollegen reißen’s am Ende nicht wirklich heraus. Als Dreingabe erklingt auch noch Brahms’ Wiegenlied „Guten Abend, gute Nacht“.

Das ist wenigstens ganzjährig ­einsetzbar.