Laeiszhalle

Das Hamburger Publikum feiert Patricia Kaas

Sängerin Patricia Kaas

Sängerin Patricia Kaas

Foto: dpa

Eine smarte Sängerin mit ungewohnt harten Themen – die französische Künstlerin brilliert in der Laeiszhalle.

Hamburg. Ungewohnt hohe Lautsprechergebirge türmen sich in der ehrwürdigen Laeiszhalle. Und der Sound brettert auch gleich gut los. „La langue que je parle“ erzählt davon, wie die Sprache das Leben einer Frau formt. Das Leben von Patricia Kaas. Die französische Sängerin ist ein Vollprofi, sprüht auf der Bühne vor Fröhlichkeit und jugendlicher Energie. Schon nach den ersten Takten liegt ihr der eingenebelte Zuschauersaal zu Füßen. In dramatisches Schwarz gehüllt, tanzt die Kaas ein wenig ungelenk von einem Bühnenrand zum anderen, schüttelt ihr Markenzeichen, die blonde Kurzhaarfrisur, und singt mit nachtblauer, bluesiger Stimme.

Ihr Stil ist dem Glamour der 1980er-Jahre verpflichtet, die Musik ist es nicht. Im Vergleich mit den vielen Hits, die an so einem Konzertabend natürlich auch nicht fehlen dürfen, wirken die Songs ihres aktuellen Albums „Patricia Kaas“, des ersten nach 13 Jahren, äußerst zeitgemäß. Gerade auch dann, wenn sie für die smarte Sängerin ungewohnt harte Themen aufgreifen. Der Song „La maison en bord de mer“ etwa, in dem ein kleines Mädchen in den Ferien regelmäßig den Annäherungen eines Onkels ausgesetzt ist. Oder die beklemmenden Gewalterfahrungen einer Frau, die sie in „Cogne“ beschreibt. Oder die Single „Adèle“, die von den Mühen des Aufstiegs eines jungen Mädchens in einer Männerwelt erzählt.

Ihre aktuelle Tour führt sie durch 40 Länder

Nie klang die Kaas selbstbestimmter. Von den eleganten Chanson-Shows der „Cabaret“- und „Piaf“-Tourneen hat sie sich weit entfernt zugunsten eines zeitgemäßen, gepflegten Pathos-Rock. Ihr Mut zahlt sich an diesem Abend aus: Die Zuschauer lauschen ergriffen, wenn sie da im Lichtgewitter steht und mit „Le jour et l’heure“ äußerst expressiv einen der besten Songs ihrer Karriere abliefert. Er erzählt davon, wie sich nach den Anschlägen vom 13. November 2015 das Leben in Paris dramatisch wandelte.

Die Rückschau im Mittelteil versöhnt all jene, die die französische ­Sängerin, die bis zu ihrem siebten Lebensjahr im lothringischen Forbach ­aufwuchs und fließend Deutsch spricht, schon länger verfolgen. „Mon mec à moi“, „Il me dit que je suis belle“ oder „Je voudrais la connaitre “ sind bis heute Wegmarken ihres Erfolges. Lieder über falsche Männer, Betrug und Liebes­kummer.

Bereits mehr als 1000 Konzerte

Mehr als 1000 Konzerte hat Patricia Kaas bereits in aller Welt gegeben, gerade tourt sie durch 40 Länder. Immer sah sie sich dabei als Interpretin. „Quand j’ai peur de tout“ etwa stammt im Original von der britischen Mädchenband Sugababes. Im gläsernen Rock-Arrangement von Frédéric Hébert wird daraus ein originärer Kaas-Song, der prima ins Repertoire passt. Überhaupt steht ihr eine formidable Band zur Seite. Fünf schneidige Hipster-Musiker, die sie stolz als Mat­thieu (Piano), Guillaume (Gitarre, Piano), Adam (Schlagzeug), Antoine (Bass und Kontrabass) und Thomas (Gitarre, Violine) vorstellt.

Am Ende wird Patricia Kaas immer redseliger, winkt unermüdlich in Richtung der Ränge. Bei ihrem bis heute größten Hit „Mademoiselle chante le blues“ steht der Saal. Die Bühne ist in Discolicht getaucht. „Wir fühlen uns gut, nicht?“, sagt die Kaas. Wenn nach zwei Stunden die zweite Zugabe „D’Allemagne“ erklingt, ist Patricia Kaas schon fast Hamburgerin.