Hamburg

Getanzte Rituale und ein wenig Hokuspokus

Eine deutsch-ivorische Performance widmet sich im Malersaal den Geheimbünden

Hamburg. Geheimgesellschaften wie die Freimaurer, die Rosenkreuzer oder die Illuminaten faszinieren als verborgene Machtbünde mit ominösen Praktiken. Fremd anmutende Rituale in Europa und Afrika erforscht auch das deutsch-ivorische Performer-Duo Gintersdorfer/Klaßen auf Initiative des Tänzers Eric Parfait Francis Taregue, genannt SKelly, in seiner Uraufführung mit dem Titel „Der Allmächtige Baumeister aller Welten“ im Malersaal.

Das meiste bleibt, um es vorweg zu nehmen, Spekulation, gegossen in Tanztheaterrituale, gewürzt mit einer Prise Hokuspokus. Der Besucher erfährt etwas über die Ordnungshierarchie der Logen, bestaunt verstörende Aufnahmerituale, in denen die Beteiligten ihre Unterhose als „Ort der Familie“ begreifen sollen, und schaut SKelly dabei zu, wie er schwer atmend im Kreis läuft und Babypuder verteilt. Die Scheinwerfer richten sich grell auf das Publikum. Manchmal erklingt Musik von einem Keyboard, einer Trommel oder einem Schellenhandschuh.

Die ivorischen Darsteller, allen voran der stets präsente Franck Edmond Yao alias Gadoukou la Star, sind im Vergleich zu den Hamburger Schauspielern Anne Müller, Jan-Peter Kampwirth oder Jonas Hien im Einlassen auf das Wagnis Performance eindeutig die Erfahreneren. Für alle geheimen Rituale westlicher Geheimgesellschaften und archaischer Kulte gilt: Einfach ist die Mitgliedschaft nicht zu haben. Kampwirth schwankt beim eher deklamierenden Gestus des Texts, er hat es auch nicht leicht, schließlich wird ihm als Aufnahmeritual von Yao gleich mal sein eigener Schuh aufs Gesicht gepresst. Gala Othero Winter fühlt sich mit dem Experiment augenscheinlich am wohlsten und überzeugt in einer Szene, in der sie ein westafrikanisches Hexenritual durchläuft. Die heimliche Hauptrolle hat der Performer Hauke Heumann inne, der im Spiel simultan alle Texte vom Französischen ins Deutsche und zurück übersetzt. Knut Klaßen und Marc Aschenbrenner haben überdies interessante afrikanisch inspirierte Universalkostüme kreiert.

In der zweiten Stunde läuft sich der Abend warm. Es gibt schöne Episoden, wenn Anne Müller über die Geheimnisse des Kreuzrippengewölbes des Kölner Doms fabuliert und SKelly von Recherchebesuchen der Performer in einer Freimaurerloge erzählt. Die Impulse von Gintersdorfer/Klaßen, deren Wurzeln in der Freien Szene liegen, tun dem Schauspielhaus gut, auch wenn die Vermengung beider Welten hier sicher noch etwas Zeit braucht.

„Der Allmächtige Baumeister aller Welten“ Mo 20. bis Mi 22.2., jeweils 20.00,
Malersaal im Schauspielhaus, Kirchenallee 39, Karten zu 22 Euro unter T. 24 87 13