Allee Theater

Was eine Donizetti-Oper mit dem Brexit zu tun hat

Im Allee Theater hatte "Anna Bolena" Premiere in einer konzertanten Fassung nur mit Klavier. Matthias Husmann führte durch den Abend.

Hamburg. Die Geschichte von Heinrich VIII. ist so atemberaubend, als hätte sie sich ein allzu fantasiebegabter Dichter ausgedacht. Da will einer eine andere Frau als seine. Tritt, weil der Papst ihm die Scheidung verweigert, aus der Kirche aus und nimmt – er ist ja Herrscher – kurzerhand das ganze Land mit. So geschehen 1534 in London. Matthias Husmann bezeichnete den Vorgang am Freitagabend im Allee Theater als „ersten Brexit“. Gar nicht so falsch, und ein paar Lacher gab es auch.

Schönstes Belcanto

Husmann war der Spiritus rector einer konzertanten Aufführung der Oper „Anna Bolena“ von Gaetano Donizetti. Schönstes Belcanto. In heiteren Melodien, nur unterlegt von ein paar Nachschlägen im Bass, verhandelte das Sängerensemble um die hervorragende junge Sopranistin Letitia Vitelaru das Schicksal von Heinrichs zweiter Frau Anne Boleyn, die der Anlass für den ganzen Schlamassel war – und wenige Jahre später selbst bei Heinrich in Ungnade fallen sollte. Nun konnte er ja schlecht noch einmal austreten, weshalb er, um sie loszuwerden, eine Intrige spinnen musste.

Mancher launiger Seitenhieb

Damit das Publikum dabei nicht den Überblick verlor – gesungen wurde teils auf Deutsch, teils auf Italienisch –, führte Matthias Husmann nach Art eines Conférenciers durch den Abend, Bildprojektion eingeschlossen, ordnete das Geschehen historisch ein und erlaubte sich manchen launigen Seitenhieb auf die politische Gegenwart. Statt des sonst am Haus üblichen handverlesenen Instrumentalensembles mit eigener Partiturfassung war dieses Mal nur ein Klavier am Start. Das spielte Husmann mal vierhändig mit Ettore Prandi, der bei Bedarf dirigierte, meist aber allein. Spürbar erfahren, eskor­tierte er die fünf Sänger. Ein paar ­Verspieler weniger und eine Extra­stimmung für den Flügel hätten jedoch nicht geschadet.

„Anna Bolena“ Fr 17.2. und Sa 18.2., jeweils 19.30, So 19.2., 19.00, Allee Theater, Max-Brauer-Allee 76, Karten unter T. 38 29 59; www.alleetheater.de