Hamburg

Zehn Gebote und eine Zugabe

| Lesedauer: 2 Minuten
Heinrich Oehmsen

Lessingtage: Das Deutsche Theater gastierte im Thalia mit Christlich-Moralischem

Hamburg.  Wenn das Deutsche Theater Berlin im Thalia gastiert, ist das für viele der Schauspieler wie ein Heimspiel, weil sie in der Hamburger Ära von Ulrich Khuon zu den Protagonisten am Alstertor gehört haben. Bei Jette Steckels „10 ­Gebote“ kehrten mit Markus Graf, ­Judith Hofmann, Ole Lagerpusch, Helmut Mooshammer, Andreas Pietschmann und Natali Seelig gleich sechs von ihnen zurück. Die zehn Gebote auf die Bühne zu bringen, ist eine Mammutaufgabe, und Steckels Stück wird zum vierstündigen Mammutabend.

15 Autoren und Filmemacher haben sich mit den zehn christlichen Geboten beschäftigt und dazu Texte geschrieben oder Videos gedreht. Rocko Schamoni hat ein elftes Gebot erdacht, dass am Ende jedoch mehr Selbstanklage Gottes ist. Als zotteliges Wesen mit einem echten Schaf an seiner Seite, räumt diese Personifikation namens „Kreator“ die vielen Fehler ein, die ihm trotz ausführlicher Testreihen bei der Erschaffung der Menschheit unterlaufen sind. Das Gebot dazu lautet: „Du sollst Dich nicht verheben.“

Bis zu diesem albernen Schlussbild erleben die Zuschauer einen abwechslungsreichen Abend mit zwölf jeweils 20 Minuten langen Stücken unterschiedlicher Qualität. Die stärksten Texte werden nach der Pause gespielt. Der Pop-Journalist Mark Terkessidis lässt Ole Lagerpusch und Wiebke Mollenhauer zum Disco-Song „Love Shack“ von den B-52’s lustige Sätze über Political Correctness, Bio-Business und das Pharisäertum der gebildeten Oberschicht sagen. Auch Nino Haratischwilis Ehebruch-Szene mit ihrem überraschenden Ende ist von Hofmann, Mooshammer und Pietschmann stark gespielt; das von dem K.I.Z.-Rapper Maxim Drüner und dem Dramatiker Juri Sternburg erdachte Zwiegespräch zum Gebot „Du sollst nicht stehlen“ hat loriotsche Qualität.

Immer wenn die Schauspieler auch spielen dürfen, und nicht nur riesige Textmengen über die Rampe bringen müssen, gewinnt diese sogenannte „zeitgenössische Recherche“ über die zehn Gebote. Neue Erkenntnisse nimmt man als Zuschauer nicht mit nach Hause. Aber das Gefühl, einem manchmal anstrengenden, manchmal heiteren Theaterabend mit erstklassigen Schauspielern beigewohnt zu haben. Entsprechend enthusiastisch ist der Schluss­applaus des Publikums.

( oeh )