Hamburg

Ärger über „Les Misérables“

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Franziska Coesfeld

Viele Besucher der Aufführung im Mehr! Theater fühlen sich getäuscht

Hamburg.  „Eine unendliche Enttäuschung“, „Betrug am Zuschauer“, „arglistige Täuschung“: Die Wogen schlagen hoch am Tag nach der Aufführung des Musicals „Les Misérables – Barricade“ im Hamburger Mehr! Theater. Zahlreiche verärgerte Besucher des Musicals, das seit einigen Tagen durch Deutschland tourt, haben sich beim Konzertveranstalter, bei Ticketanbietern und bei bisherigen Aufführungsstätten beschwert. Einige Hamburger und auch Besucher aus anderen deutschen Städten kündigten am Donnerstag sogar an, juristische Schritte einzuleiten.

Der Grund für die Empörung: Die Zuschauer hatten sich auf die Inszenierung des weltbekannten Musicals „Les Misérables“ gefreut, das auf dem Roman „Die Elenden“ von Victor Hugo basiert. Doch auf der Bühne erwartete sie nicht der Musicalerfolg vom Londoner Westend mit der Musik von Claude-Michel Schönberg. Stattdessen bekamen sie die Neuinszenierung „Les Misérables – Barricade“ des Kieler Konzertveranstalters Highlight Concerts zu sehen.

Die namensgleiche Bezeichnung des Musicals, das in Hamburg nur einen Tag gastierte, hat bei Besuchern für Irritation und Ärger gesorgt. Auf Facebook hat sich bereits ein „Forum für enttäuschte Besucher der sogenannten ,Les Misérables‘-Tour“ gegründet. Sie fühlen sich betrogen, wollen ihr Geld zurück. Einer von ihnen ist Karl Heinz Landwehr aus Hamburg. „Was da gestern geboten wurde, ist glatter Betrug, und ich werde deshalb noch eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Hamburg erstatten“, sagte er dem Abendblatt am Donnerstag.

Fest steht: Viele Besucher haben Tickets, auf denen in großen Buchstaben „Les Misérables“ steht – „Das Musical n. d. Roman-Welterfolg“ ist ebenfalls auf der Eintrittskarte vermerkt. Wer die Musik komponiert hat, ist hingegen nicht zu lesen. Auch der Titel „Barricade“, mit dem die Kammeroper Köln und die Deutsche Musical Company ausschließlich für ihre Produktion werben, ist nicht auf den Karten vermerkt. Zwar wurde auf den Tickets (ab 44 Euro) mittlerweile klein und mit Abkürzungen kenntlich gemacht, dass es sich um eine neue Bühnenfassung von Holger Potocki mit Musik von Esther Hilsberg handelt, aber das beruhigt die Kritiker nicht.

Ulrich Gerhartz, Geschäftsführer von Highlight Concerts, kann die Aufregung nicht nachvollziehen: „Es tut mir leid, dass einige Zuschauer enttäuscht sind. Aber sie haben sich vorher offenbar nicht richtig informiert und die Karten offenbar blind gekauft“, sagte Gerhartz dem Abendblatt. Ulrich Gerhartz betont, dass die Produktion bisher der großen Mehrheit gefallen habe.

Das Mehr! Theater am Großmarkt bestätigt, dass das Haus Mittwoch nahezu ausverkauft war. Nach den Beschwerden, von denen einige auch das Theater selbst erreicht haben, sei man mit dem Veranstalter im Gespräch. „Uns wurde die Produktion vor mehr als einem Jahr auch unter dem Titel ,Les Misérables‘ angeboten“, sagt Sprecher Thomas Mehlbeer. Zudem sammele man auch erst Erfahrungen mit dem Veranstalter.