Hamburg

Abschiedsworte in der Komödie Winterhude

Beim Neujahrsempfang gab es Spitzen in Richtung Elbphilharmonie

Hamburg.  Der Beifall glich in Länge und Intensität fast schon jenem nach einer gelungenen Theaterpremiere. Dabei hatte Michael Lang im geräumigen Foyer der Komödie Winterhuder Fährhaus vor fast 500 geladenen Gästen aus Kultur, Wirtschaft, Politik und Medien nur die Rede seines letztes „Neujahrs­punschs“ als Theaterdirektor beendet. Statt leise „Lebe wohl!“ wünschte Lang, der bekanntlich zum 1. August ans Ohnsorg-Theater wechselt, seiner Nachfolgerin und dem Haus schon gestern „Toi, toi, toi für die Zukunft!“ Britta Duah, seit 2008 Vertriebschefin der Komödie und im Fährhaus zu Schüler- und Studentenzeiten an der Kasse jobbend, erbe „einen Schatz, den sie schon lange kennt und selber täglich pflegt, sogar viel intensiver als ich“, sagte Michael Lang, der die Komödie Winterhude seit 1998 leitet.

Bevor der engagierte Theatermacher zu seinem „Schnelldurchlauf“ auf fast 20 Jahre Punschreden ansetzen konnte, wurde er beim diesmal besonders unterhaltsamen Neujahrsempfang jäh unterbrochen – mit dem Kalauer „Er macht es ja nicht mehr lang“, von Eberhard „Möbi“ Möbius (90). Die lebende Hamburger Kulturinstitution, die den „Neujahrspunsch“ 1989 mit dem Komödien-Gründungsintendanten Rolf Mares ins Leben gerufen hatte, ließ es sich als jahrzehntelanger Neujahrsredner nicht nehmen, das Topthema dieser Tage aufs Korn zu nehmen: Ob man Karten für die „Elphi-...Monotonie“ habe, fragte der Kabarett-Senior bewusst radebrechend und spitzbübisch. „Mit der ging es ja hoch und tief“, erinnerte Möbius an die Pannen mit dem gleichnamigen Bauunternehmen.

Gerd Spiekermann, seit 2013 sein Nachfolger als Hauptredner, nahm nach Britta Duahs sehr teamorientierter Ansprache („Was wären wir ohne die Schauspieler , die Mitarbeiter und vor allem ohne unsere Abonnenten?“) den Ball auf: „Was, ihr habt noch keine Karten für die Elbphilharmonie? Lebt ihr auf dem Mond?“, überspitzte Spiekermann eigene und die Erfahrungen seiner Frau, mit der er sich bisher nicht mal um Tickets bemüht habe. Und Lang erinnerte danach selbstironisch an „selige Zeiten“, als etwa alle Karten für Boulevard-Liebling Herbert Herrmann kurz nach Beginn des Vorverkaufs in der Komödie vergriffen waren: „Dazu muss man heute erst ein neues Konzerthaus bauen.“

Mindestens so viel Applaus wie gestern wird der Intendant wohl im Sommer erhalten: Dann wird sich der Theaterdirektor mit einer wahren Abschiedsrede in Richtung Heidi-Kabel-Platz verabschieden. Immerhin bleibt er Hamburgs Theaterszene erhalten.