Kultur

Gitarrist Rick Parfitt gestorben

Als feierwütiges Mitglied der Band Status Quo wurde der Brite zur Legende

Wer in den späten 70ern nicht nur jung, sondern auch ein Junge war, der wollte häufig so sein wie Rick Parfitt. In cool verwaschenen Jeans auf einer Bühne stehen, die Haare im Wind wehen lassen und die Gitarrenriffs von magischen Boogie-Rock-Nummern wie „Caroline“, „Down Down“ oder „Rain“ raushauen. Für manchen Luftgitarren-Auftritt war Parfitt Vorbild, und selbst die Mädchen mochten ihn – seiner blonden Locken wegen. Nun ist der Brite im Alter von 68 Jahren im spanischen Marbella gestorben.

Rick Parfitt war ein unersetzlicher Teil von Status Quo und in Hamburg zuletzt im Sommer 2015 mit allen Hits aus 50 Jahren Bandgeschichte zu erleben. An der Seite von Francis Rossi (Gitarre), Alan Lancaster (Bass) und John Coghlan (Schlagzeug) schrieb er Musikgeschichte. Zur Zeit des Progrock mit immer komplizierteren Instrumentierungen setzten Parfitt und Co. auf maximale Einfachheit. Eine simple Melodie mit knackigem Refrain und drei bis vier Akkorde: Mehr brauchte es nicht für Gassenhauer, die weltweit die Charts anführten und noch heute auf jeder 70er-Jahre-Party ein garantierter Tanzflächenfüller sind. Wie gut dieses Konzept bis zuletzt funktionierte, zeigte jede neue Status-Quo-Tour.

Parfitt stieß 1967 zur Band, die sich bereits 1962 unter anderem Namen formiert hatte. Der Psychedelic-Pop der Anfangstage verschwand, „Quo“, wie Fans die Band nannten, spielte fortan harten Boogie-Rock, und Rick Parfitt ließ in den folgenden Jahrzehnten keine Party aus. Lange Jahre des Alkohol- und Kokainmissbrauchs hatten schließlich Konsequenzen: Vier Herzinfarkte, der letzte im Juni 2016, und ein überstandener Kehlkopfkrebs machten klar, dass der im Süden Londons aufgewachsene Sohn einer Arbeiterfamilie würde kürzertreten müssen. Er verließ die Band, konzentrierte sich auf die Arbeit an seinem Soloalbum und schrieb an einer Autobiografie. Beenden konnte er beides nicht; Heiligabend starb Rick Parfitt an den Folgen einer Infektion nach einer Schulteroperation. Ein großer Verlust, nicht nur für alle, die mal so sein wollten wie er.