Kultur

Es war einmal im ersten deutschen Fernsehen

„Hans im Glück“, „Prinz Himmelblau und Fee Lupine“ und viele mehr: Die ARD zeigt zu Weihnachten Märchenfilme mit Staraufgebot

Rumpelstilzchen, Sterntaler, Kalif Storch: Bei den Deutschmanns zu Hause kennt man sich mit Märchen aus. „Mein Vater hat uns oft aus Märchen­büchern vorgelesen“, sagt Klara Deutschmann, und dieser Vater, Heikko, erinnert sich: „Gebrüder Grimm, Hauff, Andersen, Bechstein – da haben wir so einiges abgearbeitet.“ Heikko Deutschmann ist ein bekanntes Fernsehgesicht aus Krimiserien wie „Ein Fall für zwei“ oder „Tatort“, auch die 27-jährige Klara hat schon reichlich Fernseherfahrung. Aber ausgerechnet Märchen bescherten den beiden Schauspielern jetzt gleich zwei Premieren: Zum ersten Mal sind sowohl Vater als auch Tochter in einer Märchenverfilmung zu sehen. Und sie standen dabei zum ersten Mal überhaupt gemeinsam vor der Kamera – in „Das Märchen vom Schlaraffenland“, das am zweiten Weihnachtsfeiertag im Ersten gezeigt wird.

Es gibt in Deutschland noch pittoreske Fachwerkdörfer

Mit der weihnachtlichen Märchenreihe „Sechs auf einen Streich“ hat sich die ARD in neun Jahren und bisher 39 Märchen ein großes Publikum erobert. Denn nicht nur Kinder, auch Millionen Erwachsene wollen es sich an den Festtagen gemütlich machen mit Riesen und Feen, Zauber, Verrat, Rettung und der beruhigenden Schlussformel: „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.“ In diesem Jahr kommen vier Märchen hinzu. Für die Reihe neu verfilmt wurden „Das Märchen vom Schlaraffenland“ nach Motiven von Hoffmann von Fallersleben, „Das singende, klingende Bäumchen“, „Hans im Glück“ nach den Brüdern Grimm und „Prinz Himmelblau und Fee Lupine“ nach einer Erzählung von Christoph Martin Wieland.

Wie bisher haben die beteiligten ARD-Sender dabei auf hohe Qualität geachtet. Und auch diesmal konnten sie etliche prominente Schauspieler für die Märchenreihe gewinnen. In „Hans im Glück“, verantwortet vom NDR, sind Heino Ferch und Gustav Peter Wöhler dabei. Mechthild Großmann, die Staatsanwältin mit der wunderbar verruchten Stimme im Münster-„Tatort“, spielt die argwöhnische Königin in „Prinz Himmelblau und Fee Lupine“ (Radio Bremen/MDR/NDR). In „Das singende, klingende Bäumchen“ (rbb) gibt Heinz Hoenig den Monarchen, und im Schlaraffenland (Hessischer Rundfunk) hat Uwe Ochsenknecht nichts im Sinn außer Törtchen.

Glücklicherweise ist Deutschland reich an Schriftstellern, die in der Romantik alte Märchen sammelten und selbst welche schrieben. Die Originalstoffe sollten bei den Neuverfilmungen nicht auf den Kopf gestellt, aber in einer zeitgemäßen Fassung präsentiert werden. Fantasievolle Ergänzungen waren erlaubt. In Wielands „Himmelblau und Lupine“ gab es anders als im Film weder eine böse Königin noch ein hilfreiches kleines Pony namens Alphonse.

Hoffmann von Fallerslebens Gedicht „Vom Schlaraffenlande“ hat sogar überhaupt keine Handlung und beschränkt sich auf die Schilderung einer Genusswelt: „Und von Kuchen, Butterwecken/Sind die Zweige voll und schwer;/Feigen wachsen in den Hecken, /Ananas im Busch umher.“ Die Drehbuchautoren mussten also die Geschichte und die Figuren selber erfinden: Der Sohn einer armen Tagelöhnerfamilie macht sich auf die Suche nach dem nahrhaften Land und trifft dort nach einigen Prüfungen auf die abenteuerlustige, gar nicht schlaraffenhafte Prinzessin Pralina.

Der Bedeutungskern des Märchens blieb aber erhalten: „Die Moral von der Geschichte ist, dass es nicht ausreicht, alles zu haben, um glücklich zu sein“, sagen die Drehbuchautoren. „Glück entsteht aus Schwankungen, nach dem Regen oder nach einer schlimmen, brathähnchenlosen Zeit.“

Auch Regisseur Carsten Fiebeler war herausgefordert: Da das Schlaraffenland real nicht existiert, musste es virtuell erschaffen werden, sagt er. „Das bedeutet, wir haben über die Hälfte des Films im Studio vor Greenscreen gedreht.“ Die Schauspieler mussten „in einer Welt spielen, die sie weder sehen, fühlen noch riechen konnten“. Das war anfangs auch für Klara Deutschmann als Prinzessin Pralina noch gewöhnungsbedürftig, wie sie sagt. Was die Zuschauer dann sehen, ist eine sehr bunte, opulente Szenerie, in der unter anderem auch der „Edeka-Mann“ (Friedrich Liechtenstein) auf einer Art fliegender Untertasse auftritt.

Die realen Drehorte der vier neuen Märchen wurden sorgfältig ausgewählt. Man staune: Es gibt in Deutschland noch pittoreske Fachwerkdörfer, von beeindruckenden Felsformationen wie den Eschbacher Klippen (Hessen) und der immer dekorativen Ostseeküste ganz zu schweigen, die eine wirklich märchenhafte Kulisse abgeben.

Neben den neuen werden am Sonntag und Montag im Ersten auch vier ältere Märchenverfilmungen gezeigt, „König Drosselbart“ (25.12., 11.45 Uhr), „Rapunzel“ (25.12., 12.45 Uhr), „Frau Holle“ (26.12., 11.35 Uhr) und „Aschenputtel“ (26.12., 12.35 Uhr).

Märchen in der ARD: „Prinz Himmelblau und Fee Lupine“ So 25.12., 13.45 Uhr, „Das
singende, klingende Bäumchen“ So 25.12., 14.45 Uhr, „Hans im Glück“ Mo 26.12., 14.35 Uhr, „Das Märchen vom Schlaraffenland“
Mo 26.12., 13.35 Uhr