Hamburg

Michy Reincke startet Petition

Im Tivoli gab der Sänger sein Engagement gegen Radio-Reklame bekannt

Hamburg. Die Stimmung im Schmidts Tivoli erreichte ihren Siedepunkt, die Fans tanzten, klatschten und sangen zu den alten Hits wie „Für immer blond“; da wurde Michy Reincke noch einmal sehr ernst. „Es ist an der Zeit, dass sich in Deutschland etwas ändert“, sagte der Hamburger Liedermacher und warb um Unterstützung für eine Petition, die er im nächsten Jahr bundesweit starten will. Reincke fordert ein Verbot von Werbung in öffentlich-rechtlichen Rundfunksendern.

Die Reklame habe dazu geführt, dass inzwischen Unternehmensberatungen und Marktforschungsinstitute die Programme für alle ARD-Anstalten entwerfen würden: „Statt einer Vielzahl kompetenter Redakteure, die mit Leidenschaft und Fachkenntnis Songs aus unterschiedlichen Richtungen auswählen, entscheiden zwei, drei Mitarbeiter über die zu sendende Musik.“ Dies führe zu einer „24-Stunden-Hitparaden-Beschallung“, einzig mit dem Ziel, die Einschaltquoten im Sinne der werbetreibenden Industrie hochzutreiben. „Was haben diese Beratungsfirmen mit ihrem Einfluss, mit ihrer Kulturlosigkeit und ihren Interessen überhaupt in einem unabhängigen System, das wir gemeinschaftlich finanzieren, zu suchen“ fragt Reincke. Das „komplett durchformatierte Radio“ führe dazu, dass der Nachwuchs kaum noch eine Chance in Deutschland habe: „Dabei gibt es hier so großartige Talente.“

Eines brachte Reincke am Mittwoch zum ersten von drei fast ausverkauften Konzerten im Tivoli (für den heutigen Freitag, 20 Uhr, gibt es noch ein paar Restkarten unter www.tivoli.de) mit: Sarajane, Backgroundsängerin von Ina Müller, die mit ihrem ersten Album in eine Solo-Karriere startet. Die in Niedersachsen geborene Britin begeisterte das Publikum mit einer Mischung aus Soul, Rock und Gospel, begleitete dann Reincke.

Der 58-Jährige startete ungewohnt mit englischen Songs; „Suzanne“ war seine Hommage an den im November verstorbenen Leonard Cohen. Und wer den Abend im Tivoli verfolgte, fragt sich in der Tat, warum auch Reinckes Musik im Radio kaum noch gespielt wird. Intelligente Texte, spannende Arrangements, dazu seine formidable Stimme, bundesweit bekannt dank Hits wie „Valerie“ oder „Taxi nach Paris“ – diese Kombination haben nicht viele deutsche Künstler zu bieten. Immerhin: Live ist Reincke nach wie vor angesagt. Das Konzert am 24. März in Buchholz (Empore) bildet den Auftakt für eine Frühjahrstour. Und im Dezember kommt Reincke wieder zu seinen traditionellen Weihnachts-Konzerten ins Tivoli, der Vorverkauf beginnt im Januar.