Konzert in Hamburg

Klaus Hoffmann ist ein Sänger der leisen Töne

Klaus Hoffmann wurde 1951 in Berlin geboren. Sein Debütalbum mit dem schlichten Titel „Klaus Hoffmann“ veröffentlichte er 1975

Klaus Hoffmann wurde 1951 in Berlin geboren. Sein Debütalbum mit dem schlichten Titel „Klaus Hoffmann“ veröffentlichte er 1975

Foto: Malene

Der Musiker präsentiert seine Chansons in der Laeiszhalle. Dabei werden manche Lieder vielleicht nicht jedem Hoffmann-Fan gefallen.

Hamburg.  Yves Montand und Charles Aznavour: Es sind große, fast übergroße Vorbilder, die Klaus Hoffmann beeinflusst haben, die ihn, den späteren Chansonnier, prägten. Beide auch Schauspieler, so wie Klaus Hoffmann, dessen großer Kinoerfolg allerdings schon etwas zurückliegt. Als der heute 65-Jährige 1976 in der Ulrich-Plenzdorf-Verfilmung „Die Leiden des jungen W.“ den Werther spielte, gab es einen riesigen Hype um seine Person.

Auch am Hamburger Thalia Theater, in der Intendanz von Boy Gobert, war er während der 70er zwei Jahre lang engagiert. „Die Singerei hat mich aber mehr fasziniert“, erzählt er beim Gespräch in der Lobby eines Hamburger Innenstadthotels. Doch das Theater stecke immer noch in ihm drin: Wenn er heute auf einer Bühne stehe und singe, fühle er sich dabei wie ein Schauspieler, der eine Rolle ausfüllt.

Sylt war ein wichtiger Ort für Hoffmann

„Leise Zeichen“ heißt das aktuelle Album von Hoffmann, mit dem er am 19. Dezember in der Laeiszhalle gastiert. „Leise Zeichen“ passt gut zu diesem zurückhaltenden Künstler, der niemals zu den Großsprechern gehört hat, sondern der kontinuierlich Song für Song geschrieben hat. 46 Alben hat Hoffmann seit dem Debüt 1975 veröffentlicht, mit eigenen Liedern, mit Konzertmitschnitten und auch mit Interpretationen von Jacques Brel, dem außergewöhnlichen belgischen Chansonsänger. „Leise Zeichen“ ist auch ein Rückblick auf ein bewegtes Leben, mit Erinnerungen an seine Zeit als Teenager und als Twen.

Sylt war ein wichtiger Ort für Hoffmann. Dort hat er sich verliebt und seine Unschuld verloren, „defloriert“, sagt er dazu. „Es regnet immer auf Sylt“ heißt der Song dazu. Es ist ein sanftes Liebeslied, das an Randy Newman erinnert.

In seinen Hippietagen streifte Hoffmann durch Afghanistan

Eine andere wichtige Reise führte Hoffmann 1970 nach Kabul, die Hauptstadt Afghanistans. Damals wollte er ein Hippie und Rebell sein und sich die Welt erobern, so wie Schriftsteller vom Schlage eines Jack Kerouac. Indien und Afghanistan waren in den 70ern die exotischen Reiseziele westlicher Abenteurer und Sinnsucher. „Man lebte damals barfuß, weißte?“ Hoffmanns leichte Berliner Sprachfärbung schimmert immer noch durch, obwohl er nicht klassisch „berlinert“.

Heute verbindet Hoffmann Afghanistan nicht mehr mit der Schönheit des Landes, sondern mit Flüchtlingselend. Zwei Songs befassen sich mit diesem hochaktuellen und brisanten Thema. „Das Ende aller Tage“ hat er schon geschrieben, bevor im Spätsommer 2015 die große Flüchtlingswelle in Deutschland ankam. „Alle, die da fallen“ ist sein Afghanistan-Song: „Und ich lauf am Kabul River / seh den Kindern hinterher / niemals arm sein, niemals wieder, niemals mehr“, singt Hoffmann und verbindet eigene Erinnerungen mit den Hoffnungen junger Menschen, die sich aus dem vom Bürgerkrieg gepeinigten Land in Richtung Westen aufmachen.

Poetisch-politische Statements

Diese Lieder sind poetisch-politische Statements, die vielleicht manchem Hoffmann-Fan nicht gefallen werden. „Ich hätte mich am liebsten vor diesen Aussagen gedrückt“, räumt der Sänger ein. „Nicht aus Furcht vor den Reaktionen meines Publikums, sondern weil ich es fragwürdig finde, mich als Sänger in diese Diskussion einzuschalten. Was kann jemand wie ich schon bewirken?“, fragt er. Da ist er wieder, der leise und zurückhaltende Künstler.

Über polarisierende Aussagen Aufmerksamkeit zu generieren ist seine Sache nicht. „Aznavour und Brel haben mit ihrem flammenden Aufruf ,Nur die Liebe gilt‘ mehr erreicht als Joan Baez mit ,We Shall Overcome‘“, meint er und fügt hinzu: „Baez’ Job übernehme ich nicht.“

Aber singen will Klaus Hoffmann so lange es irgendwie geht. Er wirkt mit seinen 65 Jahren vital, fast jugendlich. Er ist schlank, hat volles Haar, und auch seiner Stimme ist sein Alter nicht anzuhören. An Rente, ans Aufhören mit der Musik, denkt einer wie er nicht. „Vielleicht mache ich in zehn Jahren ein Musical über einen alternden Sänger und wie der über das Showgeschäft ätzt. Ansonsten halte ich es mit dem Tod wie Woody Allen. Der hat mal gesagt: ,Ich bin dagegen.‘“

Klaus Hoffmann Mo 19.12., 20.00, Laeisz­halle, Johannes Brahms-Platz 1, Karten ab 38,50; www.klaus-hoffmann.com