Kultur

Die Empörung im Netz

Für die Recken im Kampf gegen rechts ist die Sache klar: In Zeiten, in denen immer mehr Lügen und Halbwahrheiten den politischen Diskurs vernebeln und vergiften, sind Taten gefragt. Wenn Mediaplaner und Agenturen da rechtspopulistischen Seiten die Werbeerlöse abschneiden, ist das doch nur recht und billig. Oder?

Für die Leser der betroffenen Webseiten, etwa der „Achse des Guten“ ist die Sache genauso klar: Ein Boykott gegen kritische Blogs ist das Ende der Pressefreiheit, ein weiterer Schritt in finstere Zeiten. „Wir glaubten, dass Boykott-Aufrufe schrecklicher Tradition der Vergangenheit angehören“, heißt es da. Nazi-Vergleiche gehen immer.

Beide Seien haben ihre Wahrheiten. Und beide könnten falsch liegen. Auf der einen Seite verschieben Antifaschisten mit Verfolgungswahn die Grenze des Erlaubten immer weiter in die von ihnen gewünschte Richtung und grenzen damit schon konservative Publizisten wie Roland Tichy aus. Auf der anderen Seite schießen dann die Verschwörungstheorien ins Kraut, die vermeintlichen Verteidiger der Pressefreiheit feuern aus allen Rohren, ihre Unterstützer pöbeln, beleidigen, drohen.

Beide Seiten geben vor, für die Demokratie zu kämpfen. Beide aber gehen an die Grenze des Erlaubten und darüber hinaus. Man redet nicht mehr mit­einander, man schreit nur noch. Die Streitkultur im Land verlottert. Das sollte ausnahmsweise mal allen klar sein.

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