Kultur

Ein neues Gesicht im „Hotel Heidelberg“

In der dritten Folge der ARD-Reihe spielt wieder Christoph Maria Herbst – und erstmals auch Annette Frier

Ein Hotel in Heidelberg hat Anfang des Jahres seine Pforten im TV-Programm geöffnet – und weil das Interesse offenbar groß ist, gibt es nun Nachschub. Wie es den Betreibern und den Gästen darin ergeht, kann man heute in der dritten Folge der Reihe „Hotel Heidelberg“ verfolgen.

Die Geschäftsführerin des Hotels, Annette Kramer (Annette Frier), weiß nicht mehr, wo ihr der Kopf steht: Um Kosten zu sparen, übernimmt sie kurzzeitig die Restaurantküche. Annettes Ehemann Ingolf (Christoph Maria Herbst) sieht sie kaum noch und ist deshalb ziemlich genervt. Ihre Mutter, die Hotelbesitzerin Hermine (Hannelore Hoger), ist derweil frisch verliebt in einen übellaunigen Hotelgast, den Theatermimen Richard Karrenberg (André Jung).

Dann kommt eine neue Köchin, und prompt erkranken mehrere Gäste an einer rätselhaften Infektion. Schuld sind angeblich die Sprossen des Bockshornklees, der vom Biohof von Annettes Schwester Flo (Nele Kiper) stammt. Er wird – ebenso wie das Restaurant – von einer ziemlich giftigen Beamtin des Gesundheitsamtes kurzerhand geschlossen.

Das Hotel bleibt geöffnet, auch die Stammgäste bleiben. Karrenberg benutzt die Bibliothek zum Lernen seiner Rollen, was einige Gäste nicht so lustig finden. „Ich habe mit den bedeutendsten Regisseuren dieses Landes gearbeitet“ tönt er – „Oh, das tut mir leid“, antwortet Annette und wirft den Schauspieler hinaus.

Die witzigeren und klügeren Dialoge hat allerdings ihre Mutter Hermine: „Was soll denn schön daran sein, den ganzen Abend in verknitterte Gesichter zu starren“, meint sie, als sie auf ein Klassentreffen mit alten Freundinnen gehen soll. Angesichts eines cholerischen Gastes entfährt ihr: „Vorsicht vor zu viel Aufregung! Da rufen die Kapillaren schnell mal ,Huhu, wir platzen gleich.‘“ Ansonsten bietet sich dem Zuschauer kein Grund zum Platzen, dazu plätschert die Geschichte zu sanft dahin. Offenbar ist Autor Martin Rauhaus (der auch die Drehbücher der ersten beiden Folgen schrieb) ein wenig die Puste ausgegangen, oder es liegt an der neuen Regisseurin Sabine Boss, die den Part von Michael Rowitz übernommen hat. Immerhin ist die Musik (Fabian Römer) diesmal deutlich besser.

Das Hotel liegt immer noch direkt am Neckar, mit Blick zum Schloss – die reinste Postkartenidylle, und auf dem Fluss fährt immer wieder eindrucksvoll der eine oder andere Ausflugsdampfer vorbei.

Warum läuft dieser Film nicht so rund wie seine Vorgänger? Womöglich deshalb, weil eine Hauptdarstellerin ausgetauscht wurde. Ulrike C. Tscharre (44) hatte bislang die Annette gespielt. So ein Wechsel ist immer kritisch. Beim „Zürich-Krimi“ im Ersten wurde jüngst Katrin Bauerfeind gegen Ina Paule Klink ausgetauscht, die beiden sind zumindest vom Typ her etwas ähnlich.

Nun übernimmt hier Annette Frier (42, „Die Truckerin“, „Eine Handvoll Leben“) von Frau Tscharre, was sie schon ganz gut macht. Dennoch fremdelt sie irgendwie. Dabei hat Frier zu ihrer neuen Rolle erklärt: „Sowohl die Ensemble-Familie als auch das Team haben mich eins a aufgenommen und in sämtliche Geheimnisse, Untiefen und Abgründe des Clans eingeweiht.“

Und Christoph Maria Herbst kennt Annette Frier schon seit vielen Jahren. Vermutlich müssen sich die beiden dennoch ein wenig aneinander gewöhnen – und der Zuschauer an sie. Allein der gut gelaunten Hannelore Hoger schaut man mit purem Vergnügen zu. Vielleicht gibt es also weitere Folgen – dann könnten die Türen des Hotels in Heidelberg weiter geöffnet bleiben.

„Hotel Heidelberg – Tag für Tag“
heute, 20.15 Uhr, ARD