Offen gesagt

Einfach mal was Neues probieren

Meist läuft es ja so: Man kauft, was man kennt. Das gilt für den Käse im Supermarkt ebenso wie für Konzertkarten. Doch wer immer nur auf mittelalten Gouda setzt, erfährt eben nicht, welch geschmackliche Explosionen sonst noch möglich sind. Und so ist es mit der Musik auch. Ob Charts rauf und runter, ob Heavy Metal oder Free Jazz: Wer den Blick nie weitet, dem entgeht was. Wundervolle, überraschende, beglückende Konzertmomente nämlich, die im Alles-wie-immer-Modus viel zu selten vorkommen.

Bestes Beispiel: der Auftakt des Kulturfestivals „China Time“ am Montagabend im Resonanzraum an der Feldstraße. Die Musik der Seidenstraße, eine Reise von Europa nach China, stand auf dem Programm. Die Interpreten: kaum bekannt. Das Gros der Instrumente: noch weniger. Wer weiß schon, worum es sich bei einer Baglama handelt? Oder bei einer Tonbak? (Es sind eine Laute und eine Handtrommel.) Aber Vorwissen spielte auch gar keine Rolle bei dem, was sich über knapp zweieinhalb Stunden entfaltete. Die wunderbare Stimme von Dilraba Abdukiram, die Lieder aus dem uigurischen Autonomiegebiet sang: ein Herzöffner. Das sehnsuchtsvolle Lautenspiel von Derya Yildirim: Schönheit in Töne gegossen. Das filigrane Flöte-Percussion-Miteinander des Duos Soie: so spannend wie ein guter „Tatort“. Ein beseelter Abend voll unerwarteter Glücksmomente, einer mit Konsequenzen: Mittelalter Gouda kommt erst mal nicht mehr in den Einkaufskorb.