Kultur

Jungsmusik, die einfach glücklich macht

Die alten Platten von The Sweet, Slade, T-Rex oder Gary Glitter sind eine akustische Verjüngungskur

Sie lagen im Keller oder standen weit hinten im Wohnzimmerregal, waren fast schon vergessen, dann haben wir sie wiederentdeckt: Bücher, Schallplatten, Filme, die uns einmal sehr wichtig waren – und es immer noch sind. Einige Funde stellen wir in dieser Kolumne vor. Heute: Glamrock

Es gab Platten, die durfte niemand entdecken, der mich in meinem Jugendzimmer besuchte. Weder mein Kumpel, der auf Jazzrock stand und alles andere als „Kommerzscheiß“ ablehnte. Auch nicht meine heimlich umschwärmte „beste Freundin“ (haha), deren Herz sich vor allem bei den gefühlvollen Balladen eines Leonard Cohen öffnete. Also sortierte ich die Alben und Singles ganz nach hinten, die in puncto Eindruckschinden und Herz­gewinnen eher kontraproduktiv waren. Platten, die bis heute für Adrenalinschübe sorgen, wenn sie durch die Boxen knistern. Platten mit Jungsmusik, bei denen mann sich plötzlich so wunderbar stark, so unbesiegbar fühlt. Platten voller Mitgröl-Refrains. Platten mit Glamrock.

Mal von der Mode (Plateaustiefel, glänzende Schlaghosen) abgesehen: Bands wie The Sweet, Slade, T.Rex und Wizzard waren groß. Und sind es immer noch. Schon die ersten Takte von „Ballroom Blitz“ verjüngen mal gleich um zwei bis drei Jahrzehnte. Und dann erst Gary Glitter, dieser „Leader of the Gang“, der den Überwältigungs-Rock-’n’-Roll praktizierte. „Do You Wanna Touch Me?“ Oh yeah! Dreiminüter allesamt, und drei Minuten musikalischer Sturm und Drang reichen bis heute aus, um ein seliges Lächeln aufs Gesicht zu zaubern. „See My Baby Jive“ (Wizzard), „Cum On Feel The Noize“ (Slade), „Hot Love“ (T.Rex): Lange nicht gehört, aber schon nach den ersten Takten sofort wieder im Herzen. Und im Plattenstapel inzwischen ganz nach vorn sortiert. Holger True