Hamburg

Uri Caines Reise in die Welt des freien Jazz

Hamburg.  Kurz und knapp stellt er seine Band vor, dann setzt Uri Caine sich an den Flügel und beginnt das Konzert mit einem dissonanten Blues-Riff. Bassist Mark Helias und Schlagzeuger Clarence Penn sortieren sich noch, als ­Caine das Klavier schon mit harten Anschlägen traktiert.

Wohlfühl-Jazz steht nicht auf dem Programm. Der Pianist aus New York nimmt das Publikum in der Kleinen ­Laeiszhalle mit auf eine Exkursion in die Welt des freien Jazz mit all ihrer verschlungenen Rhythmik und farbigen Klangvielfalt. Caine prescht voran, seine beiden Bandkollegen folgen. Nach einer Viertelstunde hat das Trio einen gemeinsamen Fluss gefunden, der jedoch nicht zum gemächlichen Mainstream wird, sondern eher an eine Wildwassertour mit reißenden Stromschnellen und gefährlichen Untiefen erinnert. Zwischendrin gibt es ein paar ruhige Passagen, aber sie sind nie von langer Dauer.

Die 20 bis 30 Minuten langen Stücke enthalten eine Vielzahl von kurzen Kompositionen aus dem aktuellen Album „Calibrated Thickness“, die Caines Trio neu zusammensetzt und mit Improvisationen anreichert.

Immer wieder zitiert der Bandleader Kompositionen aus der Jazzgeschichte, eine Ragtime-Phrase taucht kurz auf, das Trio swingt zwischendrin zum Klassiker „It Don’t Mean A Thing“, bevor es mit perkussiven Pattern weitergeht, die in einen Latin-Rhythmus münden. Immer wieder überraschen die drei virtuosen Musiker das konzentriert zuhörende Publikum mit verblüffenden Klangideen und melodischen Zitaten. In der zweiten Zugabe reiht Caine dann eine Reihe von Klassik-Hits in irrwitzigem Tempo anein­ander und zeigt, dass er auch in diesem musikalischen Bereich zu Hause ist.

Caine spielt Musik für elaborierte und kundige Hörer, Ahnungslose werden mit diesen komplexen Kompositionen und aus dem Stegreif geborenen Improvisationen des Trios nichts anfangen können.

Ausdrücklich erwähnt Caine in seinen Ansagen US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump. Seine Konzerte seien Anti-Trump-Veranstaltungen, sagt er. Das Hamburger Publikum quittiert die Scherze, die er über den Politiker macht, mit Gelächter – und feiert Caine, Helias und Penn am Ende des Konzerts mit geradezu frenetischem Beifall.