Kultur

Eine Auszeichnung für Heldinnen des Alltags

Der Medienpreis „Goldene Bild der Frau“ wird morgen in Hamburg zum zehnten Mal verliehen. Motto: „Starke Frauen für ein starkes Land“

Für dieses Projekt braucht es Herzblut. Empathie. Offene Augen und Ohren. Die „Goldene Bild der Frau“ ist nicht irgendein Medienpreis. Es ist eine Gala, bei der sämtliche Beteiligte – vom Caterer bis zum Moderator – mit auffälliger Leidenschaft bei der Sache sind, beschreibt Sandra Immoor, Chefredakteurin der „Bild der Frau“, den Charakter der Frauenpreis-Verleihung. Hier steht ausnahmsweise nicht der Glamour im Mittelpunkt, das Schrille, Herausgeputzte und Meistgeklickte – sondern Frauen, die ehrenamtlich Großartiges leisten.

Immoor übernahm 2006 den Chefredakteursposten von Deutschlands größter wöchentlich erscheinender Frauenzeitschrift (Reichweite: rund 5,65 Millionen Leserinnen. Verkaufte Auflage: 780.000). Im selben Jahr ging, von Immoor mit Nachdruck unterstützt, die „Goldene Bild der Frau“ erstmals über die Bühne: Damals noch in einem kleinen dekorierten Konferenzraum vor knapp 50 Gästen, darunter sechs Prominente, wurde eine Handvoll Frauen geehrt. Wenn der Medienpreis der Funke Mediengruppe, in der auch das Abendblatt erscheint, an diesem Donnerstagabend sein zehnjähriges Bestehen im Hamburger Stage Theater an der Elbe begeht, ist der Rahmen ein etwas anderer: Unter die mehr als 600 Gäste mischen sich fast 100 Prominente, der Dresscode ist festlich, der Ablauf der Gala fernsehtauglich.

„Aber das Entscheidende ist, dass sich der Kern der Verleihung eben nicht verändert hat: Im Mittelpunkt stehen nach wie vor starke Frauen“, sagt Sandra Immoor. „Es gibt so viele Events, wo Stars und Sternchen gefeiert werden, hier verneigen sich alle vor Alltagsheldinnen.“ Immoor schüttelt den Kopf nach diesem Satz. Alltagsheldinnen – das Wort behagt ihr, die ihre Karriere als Reporterin begonnen und ein Faible für gut erzählte, emotionale Geschichten hat, nicht wirklich. Zu pathetisch.

Aber wie sonst sollte man die insgesamt fünf Preisträgerinnen (ausgewählt aus mehr als 150 Frauen) bezeichnen, die sich mit eigenen Vereinen und Projekten für mehr Gerechtigkeit, mehr soziales Miteinander, für Schwächere einsetzen? Und das nicht als schickes Hobby, sondern in großem Ausmaß und mit ebensolcher Wirkung.

„Starke Frauen für ein starkes Land“ lautet das Motto der Gala – und nichts könnte besser passen zu der in Hamburg beheimateten Frauenzeitschrift, findet die Chefredakteurin: „Wir berichten im Heft regelmäßig über Frauen, die Vorbildliches leisten. Meistens arbeiten die aber still und uneitel im Hintergrund, machen wenig Aufheben um ihren Einsatz. An diesem Abend gehört den Preisträgerinnen die Bühne, der Applaus.“

Und das gönne ihnen jeder. Unterstützt werden die geehrten Frauen von namhaften Paten. In diesem Jahr sind das die Schauspieler Christine Neubauer, Gesine Cukrowski und Hannes Jaenicke. Moderator der ersten Stunde ist Kai Pflaume, den Immoor als „Geschenk für die Veranstaltung“ bezeichnet: „Kai Pflaume hat sofort an die Idee dieser Preisverleihung geglaubt, ist das ganze Jahr über mit der Redaktion im Austausch. Er hat ein echtes Interesse an den Menschen, den Preisträgerinnen.“ Eine Bestätigung für die Gastgeberin: Die Fernsehstars rauschen nach der Verleihung nicht einfach aus dem Saal, weiter zur nächsten Charity-Aktion.

Viele übernehmen längerfristige Patenschaften, machen sich in der Öffentlichkeit stark für die jeweiligen Projekte. Patin des mit 30.000 Euro dotierten Leserpreises ist in diesem Jahr erstmals Familienministerin Manuela Schwesig. Noch bis heute Abend, 18 Uhr, können Leserinnen und Leser für ihr Herzensprojekt voten, telefonisch oder online – das dann mit zusätzlich 30.000 Euro gefördert wird.

Wer bei „Bild der Frau“ an Apfel-Quark-Diät und Föhnfrisuren denkt, an Deko-Ideen für den Ostertisch und Hausfrauentipps, hat zwar nicht ganz unrecht. Das Wochenheft bietet seinen Leserinnen ein Rundum-sorglos-Paket aus Mode, Beauty, Alltagsratschlägen. Darüber hinaus hat sich die Frauenzeitschrift stets den Interessen (und Sorgen) der Durchschnittsfrau gewidmet. „Normal im allerbesten Sinne“, nennt Immoor ihre Leserin. „Engagiert, zupackend, mitten im Leben“. Seit mehr als 20 Jahren arbeitet sie bei dem Heft, war stellvertretende Chefredakteurin, bevor sie die Gründungschefin Andrea Zangemeister ablöste. Kämpferisch sei die „Bild der Frau“ immer gewesen, findet Sandra Immoor – und es ist auch die Kämpfernatur der Preisträgerinnen, vor der sie den allergrößten Respekt hat: „Ich finde es einfach nur bewundernswert, wie sich diese Frauen gegen Rückschläge, persönlichen Kummer und sture Behörden stemmen.“

Immoor zögert nicht lang, wenn man sie nach ihrem persönlichen Bezug zur Preisverleihung fragt. „Die ,Goldene Bild der Frau‘ ist ein Gänsehaut-Event und mein Lieblingsabend des Jahres. Ich sitze jedes Mal mit dickem Glückskloß im Hals in der ersten Reihe“, sagt die 47-Jährige. Wenn die Preisträgerinnen auf der Bühne stünden, habe sich jede Überstunde in den vergangenen Monaten gelohnt.

„Wenn am Donnerstag der Vorhang fällt, werden wir 53 Frauen ausgezeichnet haben. Da ist ein großartiges Frauenpower-Netzwerk entstanden.“ Eine Hamburgerin wird der „Bild der Frau“-Chefin aber besonders fehlen: Annemarie „Ami“ Dose, die im Frühjahr starb. 2007 wurde sie für ihr Lebenswerk, die „Hamburger Tafel“, ausgezeichnet. „Sie war damals 79 Jahre alt – und die jüngste Alte, die ich je kennenlernen durfte.“

Voller Energie und Tatkraft – so wie alle Preisträgerinnen der „Goldenen Bild der Frau“. „Es ist uns eine Ehre, diese Frauen auszeichnen zu dürfen“, sagt Sandra Immoor.

Mehr Infos: www.goldenebildderfrau.de