Malersaal

Auf der Theaterbühne: Wissenschaft als Krimi

Der Neurowissenschaftler Felix Hasler
während des „Brain Projects“

Der Neurowissenschaftler Felix Hasler während des „Brain Projects“

Foto: Georg Wendt / dpa

Rimini Protokoll zeigt „Brain Projects“ im Malersaal. Der Abend beginnt wie eine etwas dröge wissenschaftliche Lehrstunde.

Hamburg.  Wer wollte nicht wissen, wie unser Gehirn, das lebenswichtigste aller Organe eigentlich funktioniert? Das jedoch ist nicht so einfach zu sagen, auch Forscher stehen vor Problemen. Eine von ihnen kommt auf die Bühne des Malersaals im Schauspielhaus. Die Neurobiologin Irini Skaliora erklärt den Zusammenhang zwischen Gehirn und Bewusstsein. „Ist Geist ein Produkt des Gehirns?“ Auf einer Leinwand ist derweil ein Mäusehirn in salzhaltiger Nährlösung zu sehen, das auch jenseits des Körpers aktiv ist. Jede Menge Informationen und Eindrücke strömen auf den Zuschauer ein.

Skaliora ist eine von drei „Experten des Alltags“, die das Theaterkollektiv Rimini Protokoll in der Uraufführung ihrer „Brain Projects“ zusammenbringt, um in einem Setting aus Videoprojektionen, Miniaturpappkulissen, Kameras und Laborscheinwerfern unser zentrales Organ zu beleuchten.

„Brain Projects“ beginnt wie eine etwas dröge wissenschaftliche Lehrstunde, weitet sich dann allerdings zum Krimi. Denn neben Skaliora sind noch der Neurowissenschaftler und Halluzinogenforscher Felix Hasler und die Musikerin und Aktivistin Lobna Allamii mit von der Partie. Hasler erzählt von seinen Forschungen zu veränderten Bewusstseinszuständen. Er glaubt, dass die Hirnforschung und ihre Rückführung von Krankheiten auf biologische Prozesse vor allem den Interessen der pharmazeutischen Industrie dient. Auf der Bühne widerspricht er Skaliora gerne, streut Zweifel in ihre Gewissheiten. Der Abend nimmt damit an Fahrt auf.

So dramatisch wie politisch wird es, als Lobna Allamii erzählt, wie sie unfreiwillig zu einer Art Ikone wurde, als von einem Tränengasgeschoss getroffene Demonstrantin auf dem Taksim Platz in Istanbul. Es folgten 21 Tage Koma, ein in drei Teile geborstenes Gehirn, Verlust von Erinnerung, Sprache, Gehvermögen. Allamii, studiert Philosophie, Übersetzerin, Projektleiterin bei den Vereinten Nationen und Musikkuratorin, kämpfte sich mithilfe eines Berges an Medikamenten, deren Verpackungen sie auf einem Tisch im Malersaal ausrollt, ins Leben zurück.

Die vielfach preisgekrönte Gruppe Rimini Protokoll hat mit „Brain Projects“ einen exakt recherchierten, ästhetisch vergleichsweise spröden Abend inszeniert. Auf zentrale Fragen nach der Beschaffenheit des Ichs sucht der Mensch heute Antworten jenseits der Religion, etwa in der Neurobiologie. Aber Tatsachen wie die enorme Regenerationsfähigkeit von geschädigten Gehirnen geben auch den klügsten Köpfen Rätsel auf.

Das Rimini Protokoll hat dieses komplexe Thema faszinierend auf die Bühne gebracht.

Rimini Protokoll: „Brain Projects“ Weitere Termine: 20. bis 22.9., jew. 20.00, Malersaal im Schauspielhaus, Kirchenallee 39, Restkarten unter T. 24 87 13; www.schauspielhaus.de