Wiederentdeckt

Warum Erwachsene die Simpsons so schätzen

Homer Simpson hat eine neue Stimme. Die Fans der Serie werden sich daran gewöhnen müssen

Homer Simpson hat eine neue Stimme. Die Fans der Serie werden sich daran gewöhnen müssen

Foto: ProSieben Television GmbH / obs

Bücher, Schallplatten, Filme, die uns einmal sehr wichtig waren – und es immer noch sind. Einige unserer Funde stellen wir vor.

Hamburg.  Sie lagen im Keller oder standen weit hinten im Wohnzimmerregal, waren fast schon vergessen, doch dann haben wir sie wiederentdeckt: Bücher, Schallplatten, Filme, die uns einmal sehr wichtig waren – und es immer noch sind. Einige unserer Funde stellen wir in dieser Kolumne vor.
Heute: Die Simpsons

Die „Simpsons“ wiederentdecken? Das kann sich ja eigentlich nur auf die alten Folgen beziehen. Denn präsent sind die berühmten Gelblinge ja ohnehin. Die berühmteste Zeichentrickserie der Welt ist bald 30 Jahre alt, es gibt knapp 600 Folgen. In Amerika läuft derzeit die 28. Staffel, in Deutschland Nummer 27. Zuletzt war die Aufregung groß, weil es einen neuen Synchronsprecher für Homer gibt. Christoph Jablonka ersetzt nun den legendären Norbert Gastell, der gestorben ist. Ist natürlich eine Umstellung für alle Hardcore-Fans. Manche juckt es weniger: Die Simpsons-Connaisseure und (eingebildeten) TV-Geschmackshelden schauen eh nur die frühen Meisterwerke, also die mit den alten, liebgewonnenen Stimmen.

Das legendäre Simpsons-Jahrzehnt sind die Neunzigerjahre. Die ersten zehn Staffeln, insbesondere Staffel drei bis acht: Pures Simpsons-Gold. Die Cameo-Auftritte, der Schwenk von Bart hin zu Homer, die beißende Gesellschaftskritik, die Warmherzigkeit, die Anarchie – in den Anfangsjahren waren die Simpsons frisch und sprühten vor Witz.

Und was man damals schon ahnte, weiß man jetzt, Jahre, Jahrzehnte! später, nachdem man sich endlich die DVDs angeschafft oder alte Folgen im Internet wiedergefunden hat: Die Simpsons sind ebenso Erwachsenen- wie Jugendserie.

Es lohnt sich eben aus zweierlei Gründen, die alten Schätze zu heben. Zum einen, logisch, wegen der Nostalgie. Am besten die Lieblingsszenen – Homer, der mit dem Skateboard in die Schlucht stürzt, dieser ewige Tölpel – gleich auf YouTube suchen und an die Freunde von früher schicken. Zum anderen wegen der, hüstel, Lebenserfahrung und dem angehäuften Weltwissen, die uns manche Szenen nun ganz anders betrachten lassen.

Die Simpsons guckt man heute noch aufmerksamer als früher, und man genießt es übrigens auch mehr. Als 14-Jähriger wusste man Freizeit und Sofa-Sitzungen viel zu wenig zu schätzen ...
Thomas Andre